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15 Jahre Gefängnis für das Hissen einer Flagge. Die Teilnahme an einer friedlichen Demonstration im Dezember 2004 bezahlte Filep Karma mit dem ungeheuerlichen Urteilsspruch. Nach seiner Freilassung kommt er nun nach Hamburg und berichtet über die Lage der Menschenrechte in seiner Heimat.

„Meinungsfreiheit und Menschenrechte in Papua/Indonesien - 
Eine Bilanz: Zwei Jahre nach dem Versprechen von Präsident Widodo für mehr Pressefreiheit“

Zeit: Montag, den 12. Februar, von 19 bis 21 Uhr 
Ort: Raum 221 des Afrika-Asien-Instituts der Universität Hamburg, Edmunds-Siemers-Allee 1 (Ostflügel)
Veranstalter: Amnesty International und das Pazifik Netzwerk

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Filep Karma ist der wohl bekannteste gewaltlose politische Gefangene in der indonesischen Provinz Papua. Hunderttausende Menschen weltweit setzten sich mit Protestschreiben und mit Aktionen für seine Freilassung ein. Der ehemalige Beamte Filep Karma war zu einer fünfzehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er an einer friedlichen Zeremonie in Abepura in der indonesischen Provinz Papua im Dezember 2004 teilgenommen hatte. Deswegen erhielt er im Mai 2005 wegen Landesverrats und staatsfeindlichen Verhaltens eine Haftstrafe von 15 Jahren. Mit ihm wurde Yusak Pakage aus dem gleichen Grunde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Wohingegen die Freilassung von Pakage im Jahre 2010 nach fünf Jahren Haftzeit endlich im Wege einer Begnadigung durchgesetzt werden konnte, blieb Filep Karma in Haft. Erst am 19.11.2015 kam er nach knapp elf Jahre Haft endlich frei. 

Filep Karma und Yusak Pakage hätten nie inhaftiert werden dürfen. Sie haben von ihrem Recht der Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch genommen und sind willkürlich festgenommen worden. Man hätte sie nie vor Gericht stellen dürfen. Karma und Pakage stehen stellvertretend für hunderte gewaltlose politische Gefangene in Indonesien, die im Gefängnis weiterhin ausharren müssen und denen ihr Recht auf Freiheit genommen wird. Sie stehen stellvertretend für jahrzehntelange Unterdrückung der Papua-Bevölkerung.

Im Jahre 2015 versprach der indonesische Präsident Widodo nach seiner Wahl, die Pressefreiheit in Papua künftig sicherstellen zu wollen. Wie sieht die Situation heute, über zwei Jahre nach diesem Versprechen, tatsächlich aus? Genau diese Frage steht im Mittelpunkt des Vortrags mit anschließendem Gespräch.

Papua ist der westliche Teil der Insel Neuguinea und gehört seit 1963 zu Indonesien. Der politische Konflikt in Papua dauert inzwischen schon über 50 Jahre an. In den vergangenen Jahren haben dabei die Zahlen der Menschenrechtsverletzungen erneut zugenommen. Besonders die Zahl der politischen Verhaftungen stieg im Jahr 2015 drastisch auf 1083 und 2016 auf 5361. Megaprojekte wie das Agrarprojekt MIFEE und die weltgrößte Gold- und Kupfermine von Freeport McMoran, die Kupfer und Palmöl in die Industrieländer liefern bedrohen die Lebenswelt der Papuas, den größten Regenwald Südostasiens.

Hintergrund

Filep Karma gehörte zu einer Gruppe von etwa 200 Menschen, die am 1. Dezember 2004 an einer friedlichen Zeremonie in Abepura in der Provinz Papua teilgenommen hatte. Im Gedenken an die Unabhängigkeitserklärung Papuas 1962 wurde dabei die Morgenstern-Flagge — ein verbotenes Symbol der Unabhängigkeitsbewegung Papuas — hochgehalten. Daraufhin ging die Polizei mit Schlagstöcken gegen die Gruppe vor. Filep Karma wurde festgenommen und unter den Paragrafen 106 und 110 des indonesischen Strafgesetzbuchs wegen „Unruhestiftung“ angeklagt. Am 26. Mai 2005 verurteilte man ihn zu 15 Jahren Haft. Amnesty International machte diesen Fall öffentlich und machte ihn damit zu einem der weltweit bekanntesten Menschenrechtsverteidiger und Gewissensgefangenen aus der Region.