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06.07.2020 – Als Folge einer sozialen und politischen Krise in Nicaragua sind seit April 2018 über 110.000 Nicaraguaner_innen ins Exil geflüchtet, die Mehrzahl davon nach Costa Rica. Anfang des Jahres hat peace brigades international ein neues Projekt eröffnet, das nicaraguanische Aktivist_innen im Exil in Costa Rica begleitet.

Für Aktivist_innen bedeutet das Leben im Exil nicht nur sich von persönlichen und gemeinsamen Projekten zu verabschieden, die Projekte zu restrukturieren und neu zu bilden. Es bedeutet auch, entfernt von seinen Liebsten, seines Landes, der Politik, der Kultur, Religion und Gewohnheiten zu leben sowie die Notwendigkeit des Aufbaus einer Gemeinschaft aus dem Exil.

Neues pbi-Projekt unterstützt Verteidiger_innen der Menschenrechte aus Nicaragua im Exil in Costa Ricapbi Nicaragua begleitet unter anderem Bäuer_innenbewegungen, Frauen und Jugendliche. In Workshops versuchen wir auf die psychosozialen Auswirkungen des Exils zu reagieren. pbi bietet den Aktivist_innen Workshops zu den Themen Schutzstrategien, Selbstfürsorge und organisatorische Stärkung an. Dabei behalten wir unsere Herangehensweise der Friedensstiftung bei und verfolgen einen psychosozialen und geschlechterspezifischen Ansatz.

Jeder Arbeitsbereich des Nicaraguaprojekts hat die Stärkung der internen und externen Netzwerke jeder Gruppe im Fokus, sowie einen Blick auf den persönlichen Prozess und die Neudeutung der gelebten und latenten Episoden im Exil. Es ist nicht leicht, den Weg von Nicaragua nach Costa Rica zu betrachten. Das physische und emotionale „Gepäck“ der jeweiligen Personen ist sehr unterschiedlich. Trotz der erlittenen körperlichen und emotionalen Verletzungen, haben die Menschen dennoch Kraft und vor allem Hoffnung, dass Nicaragua sie erneut aufnimmt und ihnen rechtlich das bieten kann, was ihnen als Bürger_innen zusteht.

In der kurzen Zeit, in der das Projekt besteht, sehen wir ein soziales Netz, das sich aus der Notwendigkeit der Verteidigung und Ausübung ihrer Rechte heraus stärkt, sowohl für die in Nicaragua lebenden Landsleute, als auch für die, die den Kampf aus dem Exil führen.

COVID-19 stellt für die Menschen im Exil eine neue Lebensbedrohung dar, nicht nur aufgrund des Gesundheitsrisikos, sondern auch in Bezug auf ihre Verwundbarkeit. Die Lebensverteidigungsstrategien sind insbesondere der Austausch der Netzwerke, das Bündeln der Anstrengungen und die kollektive Rückmeldung durch verbündete Organisationen und Bürger_inneninitiativen.

Das Projekt sowie ganz pbi bietet Menschenrechtsverteidiger_innen weiterhin Begleitung und macht dabei von allen möglichen und sicheren Kommunikationsmitteln Gebrauch, die es erlauben auf eine individuelle und kollektive Art zu den Gruppen im Exil durchzukommen. Unsere Verpflichtung gilt jeden Tag, sei es vor Ort oder an einem neuen Schauplatz, der das Virtuelle mit einschließt.

In allen angebotenen Räumen versuchen wir nicht nur Wissen zu vermitteln sondern auch „Erlerntes“ zu dekonstruieren und die Interessen der Personen zu einen, die die Menschenrechte verteidigen und von denen wir fortwährend die Sehnsucht nach „einem freien Nicaragua“ hören.

Text: pbi Nicaragua
Übersetzung: Ina Wailand