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02.06.2017 Seit zwei Jahren arbeitet pbi Kenia an einem Projekt, welches spezifisch an weibliche Menschenrechtsverteidigerinnen gerichtet ist und ihnen in ihrem Alltag dienen soll. Es geht dabei um einen „Werkzeugkasten“ in Form einer Website, auf der Informationen, Erfahrungen und Ressourcen für Frauen zur Verfügung gestellt werden, die Opfer von gewaltsamen oder sexuellen Angriffen geworden sind.

Kate WanguiOffiziell wurde das Toolkit, in Form einer Website, im November 2016 von pbi Kenia lanciert. Weibliche Menschenrechtsverteidigerinnen sehen sich auf Grund ihres Geschlechts regelmäßig Drohungen und Aggressionen ausgesetzt, namentlich sexuellen Übergriffen und Diskriminierung. Solche Fälle sind besonders in den marginalisierten Vierteln um Nairobi verbreitet. Die neue Website hat somit zum Ziel, Hilfen für die Opfer bereitzustellen, um künftige Bedrohungen zu verhindern oder mit der Unterstützung von weiteren Frauen, das Geschehene psychisch und physisch aufzuarbeiten.

Ein Projekt von und für Aktivistinnen

Während der ersten Phase des Projekts, zwischen 2015 und 2016, haben Menschenrechtsverteidiger_innen (überwiegend Frauen aber auch Männer) an Workshops von pbi Kenia in den marginalisierte Vierteln von Mathare, Kibera und Mukuru teilgenommen, um über das neue Toolkit zu diskutieren. Die Teilnehmer_innen schätzten es, in den Entwicklungsprozess miteingebunden zu werden. Den meisten unter ihnen fehlt der Kontakt zur internationalen Gemeinschaft und sie haben nur wenig Wissen über die ihnen zustehenden Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten.

Die Website soll diese Mängel verringern indem Informationen und nützliche Empfehlungen zur Verfügung gestellt werden. Einerseits befinden sich auf der Homepage rechtliche Hinweise, andererseits ist es auch möglich, Angriffe zu dokumentieren und festhalten. Auf diese Weise wird den Opfern eine Plattform für den gegenseitigen Austausch geboten. Erfahrungen können besprochen und hilfreiche Tipps geteilt werden.

„Dieses Instrument wird uns weiter bringen“

In der laufenden, zweiten Phase des Projekts wurden 15 Aktivistinnen aus den marginalisierten Vierteln um Nairobi als Vertreterinnen nominiert, um ihre Ideen in die Website einzubringen. Diese Frauen sind in ihrer Gemeinschaft allesamt bekannte Aktivistinnen für den Schutz von Frauen- und Kinderrechten. Sie werden nun während eines Jahres möglichst viele Personen über die neue Homepage informieren.

«Die Dinge ändern sich langsam. Frauen kandidieren bei Wahlen, gewisse halten gar Machtpositionen inne. Früher wurden die Stimmen der Frauen nicht gehört. Ich bin Menschenrechtsverteidigerin, es ist meine Leidenschaft. Dieses neue Werkzeug vereint unsere Ideen und Stärken. Es wird uns weiter bringen.» (Kate Wangui)

Dies sind die Worte von Kate Wangui, einer der 15 Vertreterinnen. Sie wurde von einem gewalttätigen Vater grossgezogen und mehrere ihrer Freundinnen haben sexuelle Übergriffe erlitten. Als alleinstehende Mutter hat Kate entschieden, ihre Tochter nicht in einem solch feindlichen Kontext aufziehen zu wollen. Daher setzt sich Kate heute für Frauen- und Kinderrechte ein, sie unterstützt PBI bei der Umsetzung der Website und informiert die weibliche Bevölkerung über das neue Toolkit.

Text: pbi Schweiz