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17.08.2017 — 15 Menschenrechtsverteidigerinnen aus den Slums von Nairobi haben sich mit Hilfe des pbi-Toolkits auf die angespannte Lage vor und nach den Wahlen in Kenia 2017 vorbereitet. In einem zweitägigen Workshop haben sie eine Analyse für spezifische Risiken in ihren Gebieten durchgeführt und basierend darauf detaillierte Sicherheitspläne ausgearbeitet. So konnten die Frauen die turbulenten Tage nach den Wahlen sicherer überstehen und in ihren Gemeinschaften einen Beitrag zum Schutz der dort lebenden Menschen leisten.

Wahlen 2017

Anfang August 2017 ist in den mit Spannung erwarteten Wahlen in Kenia erwartungsgemäß der Amtsinhaber Kenyatta als Präsident des Landes bestätigt worden. Nach den Wahlen kam es bereits zu Demonstrationen und Ausschreitungen und die Angst vor erneuten, massiven Gewaltausbrüchen – wie bei den Wahlen 2007 als mehrere Tausend Menschen getötet und vertrieben wurden – ist leider nicht unbegründet. Seit den diesjährigen Wahlen sind in Kenia laut der Menschenrechtskommission bereits über 100 Personen bei Protesten ums Leben gekommen – häufig erschossen von der Polizei.

Wie bereits 2007 finden die Proteste und die gewaltsamen Übergriffe auch dieses Jahr häufig in den Slums von Nairobi statt, zum Beispiel auch in Mathare, in dem pbi arbeitet. Wie in unserem letzten Artikel berichtet, sind aus diesem Grund viele Personen – besonders Frauen, die Angst vor erneuten sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen während den Unruhen hatten – bereits vor den Wahlen in sicherere Gebiete geflohen.

Wie schützt man sich und seine Gemeinschaft in einer solch angespannten Lage am besten? Diese Frage haben sich speziell Menschenrechtsverteidigerinnen in den Slums von Nairobi gestellt, da sie aufgrund ihrer Arbeit und ihres Geschlechts besonders gefährdet sind. Eine mögliche Antwort darauf ist das Toolkit für Menschenrechtsverteidigerinnen von pbi.

Das Toolkit für Menschenrechtsverteidigerinnen

2016 hat pbi ein Toolkit speziell für weibliche Menschenrechtsverteidigerinnen entworfen. In der ersten Phase der Umsetzung arbeitet pbi für mindestens ein Jahr mit 15 Menschenrechtsverteidigerinnen aus drei Slums in Nairobi (Kibera, Mathare und Mukuru) zusammen. Die Aktivistinnen arbeiten als sogenannte Toolkit Organisatorinnen (TO), das heißt sie erhalten Workshops zu Themen, welche sie in ihrer Arbeit bestärken und geben das erlernte Wissen an Frauen in ihren Gemeinschaften weiter. Eine Auswahl von Porträts der Frauen finden Sie auf der Websseite von pbi Kenia.

Workshop von pbi Kenia zur Vorbereitung auf die Wahlen

In einem ersten Schritt haben die 15 Frauen Themengebiete identifiziert, in denen sie mehr Wissen oder Unterstützung brauchen. Im Hinblick auf die Wahlen hatten sie zwei Themen ausgewählt: Vorbereitung auf die Wahlen sowie well-being & Selbstschutz.

pbi Kenia hat daraufhin mit der Unterstützung der irischen Botschaft einen zweitägigen Workshop zu diesen zwei Themen organisiert. Thematisiert sind insbesondere die spezifischen Risiken vor, während und nach den Wahlen sowie ihre möglichen Folgen (Chance auf glaubwürdige und friedliche Wahlen etc.) geworden. Mit diesem Wissen hatten sie anschliessend eine Risikoanalyse für ihr Gebiet durchgeführt und die Gefahren und Handlungsmöglichkeiten für Individuen, Organisationen oder Gemeinschaften als Ganzes besprochen. So haben die Aktivistinnen beispielsweise detaillierte Sicherheitspläne mit Kontaktlisten von verschiedenen Organisationen oder medizinischer Betreuung für Notfälle oder organisierten Trink- und Ess-Notvorräte für mehrere Tage erstellt.

Im zweiten Teil des Workshops schliesslich sind Themen wie Stress, psychische Erschöpfung, Burnout und Trauma behandelt worden, welche durch die Menschenrechtsarbeit ausgelöst werden können. Ziel war es, den Frauen konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre psychische Gesundheit und ihre Energie trotz ihrer gefährlichen und stressigen Arbeit aufrechterhalten können – speziell in einer solch angespannten Lage.

Dank den erworbenen Kenntnissen konnten die Frauen die turbulenten Tage nach den Wahlen sicherer überstehen und in ihren Gemeinschaften einen zusätzlichen Beitrag zum Schutz der dort lebenden Menschen leisten.

Text: pbi Schweiz