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22.02.2020 – Tausende Menschen haben sich in den vergangenen Jahren aus Honduras auf den Weg in die USA gemacht. Bergbau- aber auch Tourismusprojekte führen oftmals zur Vertreibung von Einheimischen. Besonders bedenklich ist die Situation für indigene Gemeinden, die durch die Enteignungen ihre Lebensgrundlage verlieren.

Honduras: "Wir wollen nicht Teil der Karawanen werden."„Wir in den Dörfern von Colón wollen nicht Teil der Migrationskarawanen werden.“ Mehrere Mitglieder der Guapinol-Gemeinschaft sind laut der Coordinadora de Organizaciones del Bajo Aguán (COPA) im Zuge des Konflikts mit dem Bergbauunternehmen Pinares Investments bereits aus ihren Häusern vertrieben worden. Einige von ihnen hatten Todesdrohungen erhalten, andere verließen sie aus Angst vor der Zukunft. Nicht ohne Grund: Das Bergbauprojekt soll mehr als 34 Wasserquellen betreffen und hat schon jetzt dazu geführt, dass 32 Gemeindevorsteher:innen, die ihre Flüsse schützen wollten, kriminalisiert wurden. Acht von ihnen sitzen seit über anderthalb Jahren in Untersuchungshaft.

Die ständige Bedrohung und Kriminalisierung zwang auch die Menschenrechtsverteidigerin Irma Andrea Lemus Amaya dazu, ihr Land zu verlassen. Im März 2019 fuhr sie mit dem Bus zur guatemaltekischen Grenze. Ihr Ziel: die USA. Jahrelang war Irma aufgrund ihrer Arbeit als Gemeindereporterin und ihres Widerstands gegen Bergbauprojekte in der Provinz Colón bedroht worden. Als ihre Angreifer schließlich versuchten, sie zu entführen, traf Irma die Entscheidung, Honduras zu verlassen.

Der Bericht „Territories at Risk II: Mining, Hydrocarbons, and Electricity Production in Honduras“ zeigt auf, dass groß angelegte Bergbauprojekte oftmals zur Vertreibung von Einheimischen führen, die damit nicht nur ihre Häuser, sondern auch ihre Lebensgrundlage verlieren: „Ganze Gemeinden werden entwurzelt und zum Umzug gezwungen.“ Diese Enteignung ist insbesondere für indigene Gemeinschaften schwer zu verkraften: „Sie sind kulturell und spirituell eng mit dem Land ihrer Vorfahren verbunden und haben große Schwierigkeiten, ohne die Verbindung mit ihren Wurzeln zu leben.“

Um den Bau des Tourismusprojektes Indira Resort voranzutreiben, versuchten Nationalpolizei und Militär 2014, die Bewohner:innen der Garífuna-Gemeinde von Barra Vieja zu vertreiben. Mehr als 450 Einwohner:innen, darunter 200 Minderjährige, waren von der Vertreibung der seit 200 Jahren in der Region ansässigen Gemeinde betroffen. „Viele Familien wurden gezwungen, die Gemeinde zu verlassen. „Einige sind in die USA ausgewandert, andere leben inzwischen in verschiedenen honduranischen Städten“, erzählt José Armando, ein Mitglied des Gemeinderats. Er fügt hinzu: „Diejenigen von uns, die in Barra Vieja geblieben sind, würden lieber sterben, als unsere Häuser zu verlassen.“

Text: pbi Honduras
Übersetzung: Bundesfreiwillige Berit Köhne

Weitere Informationen
>> Bericht „Territories at Risk II: Mining, Hydrocarbons, and Electricity Production in Honduras“ Zusammenfassung (Englisch)
>> Bericht „Territorios en riesgo II: Minería, hidrocarburos y generación de energía eléctrica en Honduras“ (Spanisch)