Menschen, die sich in Guatemala für die Verwirklichung der Menschenrechte einsetzen, sind erheblichen Risiken ausgesetzt. Allein im Jahr 2024 dokumentierte die zivilgesellschaftliche Organisation UDEFEGUA mindestens 4.133 Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger:innen in dem zentralamerikanischen Land.
Besonders gefährdet sind dabei jene Aktivist:innen, die für den Zugang zu Land, dessen gerechte Verteilung und den Schutz der natürlichen Ressourcen eintreten. Insbesondere im Norden Guatemalas hat sich die Lage für Landrechts- und Umweltverteidiger:innen in den letzten Jahren durch die Ausweitung von Bergbauprojekten und von Monokulturen, etwa durch den Anbau von Ölpalmen, verschärft.
Welche konkreten Auswirkungen haben die Konflikte um Land und den Schutz der natürlichen Ressourcen? Welchen Risiken sind Menschenrechtsverteidiger:innen vor Ort ausgesetzt und wie gehen sie damit um? Welche Hoffnungen setzt die guatemaltekische Zivilgesellschaft in die aktuelle Regierung unter Präsident Bernardo Arévalo und welchen Beitrag kann die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung zivilgesellschaftlichen Engagements leisten?
Über diese und weitere Fragen möchten wir mit Gabriela Muñoz und Carlos Choc diskutieren.

Gabriela Muñoz ist Anthropologin, seit mehr als neun Jahren in der Forschung tätig und hat sich für verschiedene Organisationen engagiert, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen, darunter der Population Council, Publish What You Fund und dem Nationalen Rat für Schutzgebiete in Guatemala (kurz: CONAP). Im Rahmen ihrer Tätigkeiten hat sie sich mit Geschlechterfragen, politischer Transparenz, Machtverhältnissen im globalen Handel und den Rechten der Natur in verschiedenen kulturellen Kontexten auseinandergesetzt. Derzeit arbeitet sie als Forscherin für Kohlenwasserstoffe und Energie am Observatorium für Rohstoffindustrie (Observatorio de Industrias Extractivas – kurz: OIE). Dort systematisiert und untersucht sie die Auswirkungen des Rohstoffabbaus in Guatemala. Das OIE ist eine unabhängige Forschungsplattform, die ins Leben gerufen wurde, um Daten über Rohstoffprojekte (Bergbau und Erdölförderung) in Guatemala zu sammeln, zu systematisieren und zu visualisieren. Zu diesem Zweck sammelt das OIE Regierungsdaten auf der Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes, während unabhängige Daten der Lokalbevölkerung durch verschiedene Forschungsmethoden wie Dokumentationsarbeit, Wasserqualitätsanalysen und Fallstudien erhoben werden.
Carlos Ernesto Choc Chub (kurz: Carlos Choc) ist Teil der Maya Q’eqchi‘ aus dem Departamento Izabal und freiberuflicher Journalist mit 18 Jahren Erfahrung im Journalismus. Seine Arbeit gewann im Jahr 2017 über die Landesgrenzen hinaus an Bekanntheit aufgrund seiner Berichterstattung zu den menschenrechtlichen und umweltbezogenen Auswirkungen der Umweltverschmutzung am Izabal-See durch die Nickelmine Fénix, die größte Nickelmine Mittelamerikas. Aufgrund seiner journalistischen Arbeit wurde er kriminalisiert und musste mehrfach umziehen, um seine Sicherheit in Anbetracht anhaltender Drohungen zu gewährleisten. Er ist darüber hinaus Teil des internationalen Journalist:innennetzwerks Forbidden Stories mit Sitz in Paris, mit dem er im März 2022 die Untersuchungen zur Nickelmine Fénix unter dem Titel „Secretos Mineros” (Bergbaugeheimnisse) in mehr als 20 Medien weltweit veröffentlichte. Erst im Januar 2024 wurden die Gerichtsverfahren gegen Carlos Choc schließlich wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Aktuell ist Carlos erneut Diffamierungen und Einschüchterungen ausgesetzt, weil er die Auswirkungen auf die Gemeinden und Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Rohstoffabbau im Bereich des Bergbaus und der Agroindustrie dokumentiert.
Gefährlicher Einsatz für Land und Umwelt in Guatemala
Zeit: Sonntag, den 30. November 2025, von 16:00 bis 17:30 Uhr
Ort: Gausz, Gaußstraße 60, 22765 Hamburg
Sprache: Spanisch mit Flüsterverdolmetschung ins Deutsche bei Bedarf
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