10.12.2020 – Heute ist der Tag deiner Menschenrechte! Vor 72 Jahren hat die UN-Generalversammlung die Resolution 217A und damit die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) verabschiedet. Wie wichtig diese Resolution und die Menschenrechte insgesamt sind, ist uns im Alltag oft nicht bewusst. Und wenn das Gespräch dann doch mal auf das Thema Menschenrechte fällt, kommt oft die Frage auf, ob und wenn ja, wie man sich für die Menschenrechte engagieren solle oder ob das nicht die alleinige Verantwortung der Politik sei. Nein, ist es nicht, es ist auch Aufgabe der Zivilgesellschaft. Darum lasst uns alle gemeinsam Botschafter_innen für die Menschenrechte werden!

Urspungstext: Lea Scholz, Praktikantin, 2019
Überarbeitung: pbi Deutschland, 2020

1. Was haben die Menschenrechte mit mir zu tun?

Zu oft vergessen wir, wie wichtig die Menschenrechte für uns sind. Und das nur, weil wir das Glück haben, in einem Land zu leben, in dem die Menschenrechte weitestgehend geschützt und gewährleistet sind. Aber stellen wir uns einmal vor, die Menschenrechte würden hier großflächig verletzt werden: Wir dürften unter anderem unsere Meinung nicht öffentlich äußern, ohne dass wir Angst vor einer Verhaftung oder Gewaltanwendungen haben müssten. Es gäbe keine Vielfalt an Informationen, Filmen, Büchern und Zeitungen. Wir dürften beispielsweise auch nicht frei glauben, lieben, entscheiden oder verreisen. Auch dein Anspruch auf ein faires Gerichtsverfahren und Rechtsschutz wäre nicht gewährleistet. Zusammenfassend schützen die Menschenrechte tagtäglich folglich dein freies und würdevolles Leben.

2. Was hat die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit mir zu tun?

All­gemeine Er­klärung der Menschen­rechteDie All­gemeine Er­klärung der Menschen­rechte enthält 30 Artikel, in denen die grund­legenden Rechte eines jeden Menschen fest­geschrieben sind. Nach der AEMR sind alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten „ohne irgend­einen Unter­schied, etwa nach Rasse*, Haut­farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Über­zeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.“ (*pbi Deutschland gibt hier die Original­version der All­gemeinen Erklärung der Menschen­rechte entsprechend der offiziellen UN-Übersetzung wieder. pbi Deutschland lehnt allerdings den Begriff der „Rasse“ sowie das ihm eingeschriebene Konzept der Verschieden­wertigkeit von Menschen und der historisch stattgefundenen Naturalisierung dieser zutiefst ab.)

Auch unabhängig davon, in welchem Verhältnis ein Mensch zu dem Land steht, in dem er_sie sich aufhält, sind die Menschenrechte durch die Menschenrechts­erklärung gültig. Wir haben das Privileg, in einem Land zu leben, in dem diese Menschen­rechte auch im Grund­gesetz verankert sind. Wenn du aber beispielsweise eine andere Staats­angehörigkeit annehmen würdest, würde dir die Allgemeine Menschen­rechts­erklärung überall auf der Welt deine Rechte auf ein freies und würde­volles Leben zusprechen. So auch in dem Fall, wenn die deutsche Gesetz­gebung deine Menschen­rechte nicht mehr gewähr­leistet oder massiv beschneiden sollte. Dein Anrecht auf die Menschen­rechte durch die AEMR ist unanfechtbar und steht dir immer zu.

3. Was gehen mich Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern an?

Wir leben in einer Welt, in der wir mit allen Teilen der Welt so vernetzt und verbunden sind wie nie zuvor. Dadurch werden beispielsweise unsere Lebensmittel, Fahrzeuge und unsere Kleidung in anderen Ländern hergestellt – oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Durch unsere Kaufentscheidungen nehmen wir direkten Einfluss auf die Menschenrechte derer, die an der Produktion unserer Güter beteiligt sind. Wir entscheiden bei jedem Einkauf über das Schicksal vieler Menschen. Es liegt also an uns, zu reflektieren, was wir kaufen, welche Auswirkungen dieser Kauf mit sich bringt und wen wir damit unterstützen. Wenn wir das nicht machen, sind wir für Menschenrechtsverletzungen auf der Welt mitverantwortlich. Auf der anderen Seite können wir durch eine überlegte Kaufentscheidung beispielsweise die Ressourcenausbeutung und die damit einhergehenden Umweltschäden sowie die Vertreibung von Indigenen und Kleinbäuer_innen von ihrem Land durch große Wirtschaftsprojekte oder Großgrundbesitzer_innen verhindern.

Wenn wir Menschenrechtsverletzungen auf dieser Erde akzeptieren oder dulden, nicht aktiv werden und einfach wegschauen, besteht die Gefahr, dass sich viele Staaten nicht mehr verpflichtet sehen, die Menschenrechte einzuhalten und zu gewährleisten, sodass sie in immer mehr Ländern ausgehöhlt werden. Deswegen müssen wir Verantwortung für den Schutz der Menschenrechte von Menschen auf der ganzen Welt übernehmen!

4. Warum muss ich mich noch für Menschenrechte einsetzen?

Viele Staaten haben die Menschenrechte nach dem Zweiten Weltkrieg stark gefördert. Dennoch finden weltweit immer noch tagtäglich Menschenrechtsverletzungen statt – und das nicht nur in Ländern des sogenannten globalen Südens. In den pbi-Projektländern sind vor allem Indigene, LGBTIQA+-Personen, Frauen und Menschenrechtsverteidiger_innen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Auch in Deutschland werden die Menschenrechte nicht immer eingehalten, was beispielsweise der Fakt belegt, dass 12% der in Deutschland lebenden Frauen und Mädchen über 15 Jahre in ihrem Leben bereits Opfer strafrechtlich relevanter sexueller Übergriffe geworden sind. Des Weiteren nimmt auch das Ausspähen von Daten und die Überwachung durch Staaten und Unternehmen zu. Beides verletzt unter anderem das Recht auf Privatsphäre.

Es gibt jedoch global auch positive Entwicklungen, die zeigen, dass sich das Engagement für die Menschenrechte lohnt. Beispielsweise haben 106 Länder die Todesstrafe im Strafgesetz abgeschafft, und insgesamt 146 sie per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft (Stand: 2019).

Wir müssen unsere Menschenrechte also hier genauso wie auch in anderen Ländern verteidigen, schützen und einfordern, damit wir alle in einer friedlichen Gemeinschaft frei und würdevoll leben können.

5. Wie kann ich mich für Menschenrechte einsetzen?

Engagiere dich für die MenschenrechteDie Möglich­keiten eines Engage­ments für den Schutz der Menschen­rechte sind vielfältig. Der Einsatz beginnt schon im all­täglichen Zusammen­leben, beispiels­weise im Umgang mit anderen Meinungen, sexuellen Orientierungen und Geschlechts­identitäten oder Themen der Gleich­berechtigung. Aber auch die ange­sprochene Reflexion der eigenen Kauf­entscheidungen ist ein erster, wichtiger Schritt. Grund­sätzlich gilt es immer, die Menschen­rechte in deinem Umfeld und in deinen Arbeits­kreisen einzu­halten und zu gewähr­leisten.

Zudem kannst du dich ehren­amtlich in Deutschland für die Menschen­rechte engagieren, spenden oder an Work­shops und Semi­naren des pbi-Bildungs­projekts teilnehmen. Wir freuen uns immer über Unter­stützer_innen! pbi setzt sich neben Deutschland zudem in den Projekt­ländern Kolumbien, Honduras, Guatemala, Mexiko, Costa Rica (Nicaragua), Kenia, Nepal und Indonesien für die Men­schen­rechte ein. Für einen Freiwilligen­einsatz in einem der latein­amerikanischen Länder suchen wir immer moti­vierte Frei­willige.

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Also werde jetzt Botschafter_in für die Menschenrechte!