10.12.2019 – Heute ist der Tag deiner Menschenrechte! Vor 71 Jahren hat die UN-Generalversammlung die Resolution 217A und damit die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) verabschiedet. Wie wichtig diese Resolution und die Menschenrechte insgesamt sind, ist uns im Alltag oft nicht bewusst. Und wenn das Gespräch dann doch mal auf das Thema Menschenrechte fällt, kommt oft die Frage auf, ob und wenn ja, wie man sich für die Menschenrechte engagieren solle oder ob das nicht die alleinige Verantwortung der Politik sei. Nein, ist es nicht! Darum lasst uns alle gemeinsam Botschafter_innen für die Menschenrechte werden.

Im Folgenden zeigt unsere Praktikantin Lea Scholz anhand einiger Fragen, wieso es so wichtig ist, sich für die Menschenrechte einzusetzen.

1. Was haben die Menschenrechte mit mir zu tun?

Zu oft vergessen wir, wie wichtig die Menschenrechte für uns sind. Und das nur, weil wir das Glück haben, in einem Land zu leben, in dem die Menschenrechte weitestgehend geschützt und gewährleistet sind. Aber stellen wir uns einmal vor, die Menschenrechte würden hier großflächig verletzt werden: Wir dürften unter anderem unsere Meinung nicht öffentlich äußern, ohne dass wir Angst vor einer Verhaftung oder Gewaltanwendungen haben müssten. Es gäbe keine Vielfalt an Informationen, Filmen, Büchern und Zeitungen. Wir dürften beispielsweise auch nicht frei glauben, lieben, entscheiden oder verreisen. Auch dein Anspruch auf ein faires Gerichtsverfahren und Rechtsschutz wäre nicht gewährleistet. Zusammenfassend schützen die Menschenrechte tagtäglich also dein freies und würdevolles Leben.

2. Was hat die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit mir zu tun?

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR)Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte enthält 30 Artikel, in denen die grundlegenden Rechte eines jeden Menschen festgeschrieben sind. Nach der AEMR sind alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten „ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.“ (pbi Deutschland gibt hier die Originalversion der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nach der offiziellen UN-Übersetzung wieder. pbi Deutschland lehnt allerdings den Begriff der „Rasse“ sowie das ihm eingeschriebene Konzept der Verschiedenwertigkeit von Menschen und der historisch stattgefundenen Naturalisierung dieser zutiefst ab.)

Auch unabhängig davon, in welchem Verhältnis ein Mensch zu dem Land steht, in dem er_sie sich aufhält, sind die Menschenrechte durch die Menschenrechtserklärung gültig. Wir haben das Privileg, in einem Land zu leben, in dem diese Menschenrechte auch im Grundgesetz verankert sind. Wenn du jetzt aber beispielsweise eine andere Staatsangehörigkeit annimmst, spricht dir die Menschenrechtserklärung überall auf der Welt deine Rechte auf ein freies und würdevolles Leben zu. Aber auch, wenn die deutsche Gesetzgebung deine Menschenrechte nicht mehr gewährleistet oder massiv beschneiden sollte, verlierst du durch die AEMR nicht deine allgemeinen Menschenrechte.

3. Was gehen mich Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern an?

Wir leben in einer Welt, in der wir mit allen Teilen der Welt so vernetzt und verbunden sind wie nie zuvor. Dadurch werden beispielsweise unsere Lebensmittel, Fahrzeuge und unsere Kleidung in anderen Ländern hergestellt — oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Durch unsere Kaufentscheidungen nehmen wir direkten Einfluss auf die Menschenrechte derer, die an der Produktion unserer Güter beteiligt sind. Wir entscheiden bei jedem Einkauf über das Schicksal vieler Menschen. Es liegt also an uns, zu reflektieren, was wir kaufen, welche Auswirkungen dieser Kauf mit sich bringt und wen wir damit unterstützen. Wenn wir das nicht machen, sind wir für Menschenrechtsverletzungen auf der Welt mitverantwortlich. Auf der anderen Seite können wir durch eine überlegte Kaufentscheidung beispielsweise die Ressourcenausbeutung und die damit einhergehenden Umweltschäden sowie die Vertreibung von Indigenen und Kleinbäuer_innen von ihrem Land durch große Wirtschaftsprojekte oder Großgrundbesitzer_innen verhindern.

Wenn wir Menschenrechtsverletzungen auf dieser Erde akzeptieren, nicht aktiv werden und einfach wegschauen, besteht die Gefahr, dass sich viele Staaten nicht mehr verpflichtet sehen, die Menschenrechte einzuhalten und zu gewährleisten, sodass sie in immer mehr Ländern ausgehöhlt werden. Deswegen müssen wir Verantwortung für den Schutz der Menschenrechte von Menschen auf der ganzen Welt übernehmen.!

4. Warum muss ich mich noch für Menschenrechte einsetzen?

Viele Staaten haben die Menschenrechte nach dem Zweiten Weltkrieg stark gefördert. Dennoch finden weltweit immer noch tagtäglich Menschenrechtsverletzungen statt — und das nicht nur in Ländern des sogenannten globalen Südens. In den pbi-Projektländern sind vor allem Indigene, LGBTIQA+-Personen, Frauen und Menschenrechtsverteidiger_innen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Auch in Deutschland werden die Menschenrechte nicht immer eingehalten, was beispielsweise der Fakt belegt, dass 12% der in Deutschland lebenden Frauen und Mädchen über 15 Jahre in ihrem Leben bereits Opfer strafrechtlich relevanter sexueller Übergriffe geworden sind. Des Weiteren nimmt auch das Ausspähen von Daten und die Überwachung durch Staaten und Unternehmen zu. Beides verletzt unter anderem das Recht auf Privatsphäre.

Es gibt jedoch global auch positive Entwicklungen, die zeigen, dass sich das Engagement für die Menschenrechte lohnt, wie beispielsweise, dass seit 2015 neun Länder die Todesstrafe abgeschafft haben.

Wir müssen unsere Menschenrechte also hier genauso wie auch in anderen Ländern verteidigen, schützen und einfordern, damit wir alle in einer friedlichen Gemeinschaft frei und würdevoll leben können.

5. Wie kann ich mich für Menschenrechte einsetzen?

Engagiere dich für die MenschenrechteDie Möglichkeiten eines Engagements für den Schutz der Menschenrechte sind vielfältig. Der Einsatz beginnt schon im alltäglichen Zusammenleben, beispielsweise im Umgang mit anderen Meinungen, sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten oder Themen der Gleichberechtigung. Aber auch die angesprochene Reflexion der eigenen Kaufentscheidungen ist ein erster, wichtiger Schritt. Grundsätzlich gilt es immer, die Menschenrechte in deinem Umfeld und in deinen Arbeitskreisen einzuhalten und zu gewährleisten.

Zudem kannst du dich ehrenamtlich in Deutschland engagieren, spenden oder an Workshops und Seminaren des pbi-Bildungsprojekts teilnehmen. Wir freuen uns immer über Unterstützer_innen! pbi setzt sich neben Deutschland zudem in den Projektländern Kolumbien, Honduras, Guatemala, Mexiko, Kenia, Nepal und Indonesien für die Menschenrechte ein. Für einen Freiwilligeneinsatz in einem der lateinamerikanischen Länder suchen wir immer motivierte Freiwillige.

Also werde jetzt Botschafter_in für die Menschenrechte!