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22.11.2017 — Vom 28. Oktober bis zum 2. November besuchte die guatemaltekische Menschenrechtsverteidigerin Aura Lolita Chávez die Schweiz. Lolita Chávez ist die Vorsitzende des Rates des Volkes Quiché für die Verteidigung des Lebens, der Mutter Erde, des Landes und des Territoriums (CPK). Außerdem vertritt sie den feminismo communitario indígena, der für ein umfassendes Verständnis von Land, Körper, Gewalt, Menschen- und Frauenrechten steht.

An Veranstaltungen in Zürich und Bern berichtete sie am 30. und 31.10. über ihr Engagement gegen Bergbau- und Wasserkraftprojekte transnationaler Konzerne und wie dieses mit ihrem Verständnis von Leben, Körper und Erde zusammenhängt. Für Lolita Chávez ist klar:

“La madre tierra no se vende. Se defiende. “ - “ Die Mutter Erde hat keinen Preis, sie muss verteidigt werden.”

Lolita ChavezTzk’at: Eine andere Sicht auf das Leben

Ihr Engagement entspringt der indigenen Sichtweise auf das Leben als reziprokes Geben und Nehmen, genannt Tzk’at. Im Zentrum steht dabei die Wechselseitigkeit zwischen den Menschen, aber auch zwischen Mensch und Erde.

“Yo soy tú y tú eres yo. Yo te ayudo y tú me ayudas. Eso es la reciprocidad.” - „Ich bin du und du bist ich. Ich helfe dir und du hilfst mir. Das ist die Reziprozität.“

Lolita Chávez verteidigt ihr Land also nicht, weil sie es für sich in Anspruch nehmen will. Vielmehr sieht sie sich selbst als Teil dieser Erde und den Kampf für das Territorium dementsprechend als Kampf für die Lebensweise ihrer Gemeinschaft. Für Lolita Chávez gehört auch die Verteidigung von Frauenrechten in der stark patriarchalisch ausgeprägten Gesellschaftsstruktur von Quiché zum Tzk’at.

Die Aktivistin engagiert sich außerdem gegen Krieg, Waffen und Gewalt. Schließlich haben sie und ihre Familie den Bürgerkrieg (1960 – 1996) in Guatemala hautnah erfahren. Heute erlebt Lolita Chávez, wie die Armee im Landesinnern wieder überhandnimmt, um die transnationalen Investitionen im Bergbaubereich zu schützen. Dies hat unter anderem zahleiche Menschenrechtsverletzungen an der indigenen Bevölkerung zur Folge.

Dank pbi zu mehr Freiraum

Seit 2013 werden Lolita Chávez und ihre Organisation von pbi begleitet. Gerade als gewaltfreie Verteidigerin der Menschenrechte bedeutet ihr das viel. Für sie ist klar: Die Schutzbegleitungen von pbi schaffen ihr Freiraum, um für ihre Rechte einzustehen. Außerdem kann sie dank der Öffentlichkeitsarbeit von pbi ihre Anliegen auch international bekannt machen. Aufgrund ihres Engagement kam es aber auch immer wieder zu Drohungen und Beschuldigungen gegen ihre Person. Im Juni dieses Jahres wurde eine dieser Drohungen Tatsache: Lolita Chávez und andere Mitglieder von CPK wurden angegriffen, als sie einen Fall von illegalem Holzschlag den Behörden melden wollten. Dieser Übergriff hat sie dazu bewogen, zusammen mit ihrem Sohn Guatemala für einige Zeit zu verlassen.

Über 27.000, die für ihre Rechte kämpfen

In den letzten Jahren hat die Umsetzung von transnationalen Wirtschaftsprojekten in Quiché zugenommen. Als Widerstand dazu haben sich Indigene und Bauernorganisationen zusammengeschlossen, um für ihre Rechte einzutreten. Dazu gehört vor allem auch das Recht auf Informationen über die geplanten Projekte, die laut internationalem Recht (Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, ILO) in Form einer Konsultation öffentlich gemacht werden müssen. Die transnationalen Konzerne bieten aber bisher kaum solche Konsultationen an. Als Reaktion darauf begannen sich die indigenen Gemeinschaften selbstständig zu versammeln. In demokratischer Form wurden ihre Meinungen zusammengetragen und öffentlich artikuliert. Im Jahre 2010 bei einer Versammlung in der Hauptstadt des Departements Quiché, Santa Cruz del Quiché, haben über 27.000 Personen zu den wirtschaftlichen Megaprojekten abgestimmt. Lolita Chávez ist also nicht alleine in ihrem Kampf. Trotzdem brauchen sie und die betroffenen Gemeinschaften unsere internationale Solidarität!

Text: pbi Schweiz
 

Medienberichte

Lolita Chávez, dirigente guatemalteca: „Nos criminalizan, a pesar de que nuestra lucha es pacífica“, Sergio Ferrari, 3.11.2017, Questión digital. 
Indigener Widerstand in Guatemala, Interview mit Lolita Chávez, Michael Spahr, 8.11.2017, Radio RaBe.