pbi-Standorte in Honduras

Im Juli 2010 hat pbi einen formellen Antrag von der Nationalen Plattform für Menschenrechte in Honduras erhalten, mit der Bitte, Schutz­begleitung und Beobachtung durch internationale Freiwilligen­teams im Land durchzuführen. Als Gründe nannten sie die Gefahren und Bedrohungen, denen Menschenrechts­verteidiger_innen ausgeliefert seien und die mangelnden Schutz­mechanismen für diese Bevölkerungs­gruppe. Seit dem Putsch 2009 hatte sich die Situation weiterhin verschlechtert.

Als Reaktion darauf bildete pbi eine Arbeits­gruppe mit internationalen Beobachter_innen, die 2011 und 2012 Erkundungs­missionen nach Honduras starteten. Ziel der Missionen war es, die Situation der Menschenrechts­verteidiger_innen im Land näher kennenzulernen und zu analysieren sowie gemeinsam mit den Organisationen Empfehlungen zu erarbeiten, wie zukünftig die Menschen­rechtslage im Land beobachtet und Menschenrechts­verteidiger_innen begleitet werden können.

Anfang 2013 beschloss pbi, ein dauerhaftes Projekt im Land zu eröffnen. Mit dem Ziel, eine längerfristige Präsenz aufzubauen und das Ersuchen der Menschenrechts­verteidiger_innen nach Begleitung und Schutz zu erfüllen, begann pbi 2014 die Arbeit.
 

Das Projekt im Überblick

  • Team: 7 Freiwillige, 1 ZFD_Fachkraft
  • Standort: Tegucigalpa
  • Koordination: 4 Mitarbeiter_innen in Honduras und Italien

Die von pbi begleiteten Organisationen arbeiten vorwiegend zu den folgenden Themen:

  • LGBTIQ-Rechte
  • Landrechte
  • Meinungs- und Pressefreiheit
  • Recht auf Nahrung

>> Projektflyer zum Download: Das Hondurasprojekt
>> Die begleiteten Organisationen
>> Honduras: Examen Periódico Universal 2015 — Briefing sobre la Situación de las Personas Defensoras (Spanisch)

Die Lage der Menschenrechte in Honduras

LGBTI*-Demonstration in Honduras

Seit einem militärischen Putsch im Jahr 2009 ist die Menschenrechtssituation in Honduras sehr kritisch. Während des Putsches waren Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung, die wegen eines allgemeinen Straferlasses auch im Nachhinein häufig nicht geahndet wurden. Das Land bleibt stark militarisiert, was eine Stärkung der Zivilgesellschaft und Demokratisierung erschwert.

Auch heute werden Aktivist_innen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, unter Druck gesetzt, bedroht und angegriffen. Journalist_innen, LGBTIQ, Landrechtsaktivist_innen und Menschenrechtsanwält_innen sind dabei besonders gefährdet. Auch werden Verbrechen gegen diese Gruppen häufig nicht geahndet. Die hohe Straflosigkeit ist vor allem darauf zurückzuführen, dass juristische Institutionen in der Regel nicht unabhängig sind. So ist beispielsweise die Ernennung zu hohen richterlichen Posten oft stark von politischen Beziehungen der Kandidat_innen abhängig. Von staatlicher Seite gibt es kaum ernsthafte Bemühungen, an dieser Misslage etwas zu verändern.

Zudem sind in Honduras Landbesitz und Wirtschaftskraft sehr ungerecht verteilt. So gehören 1,6 Prozent der honduranischen Bevölkerung 40 Prozent des kultivierbaren Bodens. Damit ist Honduras das lateinamerikanische Land mit der drittgrößten wirtschaftlichen Ungleichheit. Wird eine neue Rohstoffquelle erschlossen, werden kleinbäuerliche oder indigene Gruppen häufig durch Zwangsräumungen von ihrem Land vertrieben und verlieren so ihre Lebensgrundlage.

Weiterführende Informationen

>> Website des Hondurasprojekts (in Englisch und Spanisch)
>> Honduras — The Defence of Human Rights: A High-Risk Activity, December 2012 (Englisch)
>> pbi Bulletin 1 — July 2014 (Englisch)
>> pbi Bulletin 2 — January 2015 (Englisch)