pbi-Standort in Guatemala

Guatemala war das erste Einsatzland von pbi. Das Konzept der schützenden Begleitung von Menschenrechtsverteidiger_innen und Friedensfachkräften wurde dort entwickelt. Nach dem 1996 unterzeichnetem Friedensabkommen zwischen der Regierung und Guerilla wurde das Projekt 1999 geschlossen.

Die Zahl der Menschenrechts­verletzungen nahm jedoch in den Folgejahren erheblich zu, und auch die Lage für Menschenrechts­verteidiger_innen verschlechterte sich zusehends wieder. Aufgrund zahlreicher und dringender Anfragen von Organisationen um Schutzbegleitung wurde das Projekt daher im Jahre 2003 wieder eröffnet.
 

Das Projekt im Überblick

  • Team: 10 Freiwillige, 2 ZFD-Fachkräfte
  • Standort: Guatemala-Stadt
  • Koordination: 5 Mitarbeiter_innen in Guatemala-Stadt, Spanien und Brüssel

Die von pbi begleiteten Organisationen arbeiten vorwiegend zu den folgenden Themen:

  • Kampf gegen Straflosigkeit
  • Globalisierung und Menschenrechte (Umweltverschmutzung, Abbau natürlicher Ressourcen, Missachtung der Rechte indigener Gemeinden)
  • Landrechte und Landkonflikte

>> Projektflyer zum Download: Das Guatemalaprojekt
>> Die begleiteten Organisationen
>> Interview mit dem Anwalt Santiago Chóc Cú — Der Kampf gegen die Straflosigkeit
 

Die Lage der Menschenrechte in Guatemala

Guatemala: pbi hilft die Menschenrechte zu schützen

In einem 36 Jahre andauernden Bürgerkrieg (1960-1996), in dem wechselnde Militärregime vor allem die indigene Bevölkerung bekämpften und zahlreiche Massaker anordneten, kamen mehr als 200.000 Menschen ums Leben. Das 1996 unterzeichnete Friedensabkommen sollte die grundlegenden Menschenrechte garantieren und eine gerechtere Landverteilung ermöglichen. Die Lebensbedingungen haben sich jedoch bis heute kaum verbessert, die juristische Aufarbeitung der Verbrechen aus der Zeit des Bürgerkrieges kommt nur zögerlich voran.

Vor allem die indigene Bevölkerung, die immerhin 60 Prozent der Gesellschaft ausmacht, leidet auch heute weiter unter den sozioökonomischen Ungleichheiten und ist von rassistischer Diskriminierung betroffen. Durch Großprojekte in den Bereichen Bergbau, Energiewirtschaft und dem Agrarsektor, die häufig mit transnationalem Kapital gefördert werden, verschärft sich die Situation der ländlichen Bevölkerung.

Menschenrechtsaktivist_innen, die sich gegen diese Zustände und Ungleichbehandlung zur Wehr setzen, sehen sich immer stärker werdenden Repressionen ausgesetzt. Sie werden häufig Opfer von Drohungen, Einschüchterungsversuchen und Angriffen, die sie zum Schweigen bringen sollen. In den vergangenen Jahren registrierten nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen einen besorgniserregenden Anstieg der Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger_innen, verbunden mit einer starken Kriminalisierung und Delegitimierung sozialer Proteste und zivilgesellschaftlicher Akteur_innen.
 

Weiterführende Informationen

Neben dem Bulletin und dem Jahresbericht des Projekts informiert die Internetseite des Projekts über die Arbeit von pbi, die Arbeit der begleiteten Organisationen und die aktuelle Situation der Menschenrechte im Land.

>> Website des Projekts (in Englisch und Spanisch)
>> Publikationen (Englisch)
>> Dokumentarfilm zum 30-jährigen Jubiläum: pbi Guatemala — 30 Jahre die Hoffnung begleitend
>> Dossier „Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger_innen in Guatemala“