Zeitraum: 2006 bis 2013

Obwohl 1990 in Nepal die konstitutionelle Monarchie eingeführt wurde, blieb die Macht in den Händen des Monarchen. Eine Gruppe maoistischer Rebellen leistete Widerstand. Der Konflikt zwischen der Royal Nepali Army (RNA) und der Kommunistischen Partei Nepals (die „Maoisten“) führte zu einem Bürgerkrieg, der unzählige Opfer von Folter, Festnahmen und gewaltsamen Verschwindenlassens forderte. Zwischen 1996 und 2006 führte der Konflikt zu 13.000 Toten und mehreren 100.000 intern Vertriebenen. Nepal war zu dieser Zeit eines der Länder mit der höchsten Rate gewaltsam „Verschwundengelassener“ weltweit.

Im November 2006 unterzeichnete die Regierung ein Waffenstillstandsabkommen mit den Maoisten. Die Wahlen mussten aufgrund anhaltender Unruhen jedoch mehrmals, bis zum April 2008, verschoben werden. Die Maoisten gingen als stärkste Kraft aus den Wahlen hervor, gewannen jedoch keine völlige Mehrheit. Im Mai 2008 wurde die Monarchie abgeschafft und Nepal zur Republik erklärt. Auch nach dem langwierigen Prozess der Bildung einer Koalitionsregierung lähmen interne Machtkämpfe und Meinungsverschiedenheiten die Handlungsfähigkeit.

Während des Bürgerkriegs wurden von allen Konfliktakteur_innen (Militär, Polizei, Maoisten und anderen Rebellengruppen) Menschenrechtsverletzungen begannen: Folter, sexueller Missbrauch, Drohungen, Plünderungen, Vergeltungsanschläge, Mord durch Bombenanschläge, außergerichtliche Hinrichtungen, Entführungen und „erzwungene Rekrutierungen“ (darunter auch Kinder und Jugendliche).

Menschenrechtsverteidiger_innen und Opfer, die nach Gerechtigkeit streben und die Verbrechen untersuchen, dokumentieren und anklagen, riskieren auch heute noch Repressionen und oftmals ihr Leben. Arreste, Drohungen, Angriffe, Einschüchterungsversuche sowie die Behinderung ihrer Arbeit gehören zu dem Alltag der Aktivist_innen. Werden die Menschenrechtsverteidiger_innen verdächtigt, zu den Maoisten zu gehören, drohen ihnen Überwachung, Zensur, Gefängnishaft oder Folter.
 

Arbeitsschwerpunkte vor Ort

Schwerpunkte der Arbeit bildeten Advocacy-Maßnahmen und die persönliche Schutzbegleitung von Einzelpersonen und Organisationen, die in folgenden Bereichen arbeiteten:

  • Straflosigkeit
  • Frauen- und Gleichstellungsbewegung
  • Rechte der Randgruppen

Schließung

Für pbi wurde es zunehmend schwerer, zum einen die Schutzbegleitung im traditionellen Sinne effektiv auszuführen, und zum anderen, das Projekt unter einem legalen Status fortzusetzen. Im Land gibt es mehrere etablierte nationale und internationale Organisationen, die die nötigen Maßnahmen ergreifen können, um Trainings zur Sicherheits- und Risikobewertung sowie die wichtige Advocacyarbeit zu bewerkstelligen — und somit einen Teil der Arbeit von pbi Nepal übernehmen können. Deshalb entschied sich peace brigades international dazu, das Projekt im Januar 2014 zu schließen und „Nepal Monitor“ an eine lokale Organisation zu übergeben.
 

Seit 2014 Nepal Monitor

Das von pbi entwickelte „Nepal Monitor“ (Nepal Monitor Project — www.nepalmonitor.org) wurde im Zuge der Projektschließung an eine lokale Organisation übergeben. Dennoch wird das Nepal Monitor Project weiterhin von pbi unterstützt. Nepal Monitor ist ein System, das lokale Organisationen auf Sicherheitsrisiken und Menschenrechtsverletzungen in ihrer Region aufmerksam macht und den Aktivist_innen ermöglicht, Menschenrechtsverletzungen und Vorfälle zu kommunizieren.

Nepalesische Menschenrechtsverteidiger_innen beurteilten das Nepal Monitor Project überaus positiv. Laut den Aktivist_innen half ihnen das System dabei, besser auf Zwischenfälle in ihrer Region zu reagieren und ihre eigene Sicherheitslage leichter zu analysieren. Die Übergabe von Nepal Monitor an eine lokale Organisation steht im Einklang mit den pbi-Zielen, lokale Kapazitäten aufzubauen und Organisationen im Monitoring bzw. bei der Analyse der Sicherheitslage zu unterstützen.