06.02.2026 – Von den vulkanischen Hochlandsregionen von Michoacán in Mexiko bis zu den alten tropischen Regenwäldern Westpapuas stehen indigene Gemeinschaften als letzte Verteidigungslinie für ihr Land und unseren gemeinsamen Planeten. Zwei mutige Menschenrechtsverteidigerinnen – die Purépecha-Aktivistin Claudia Ignacio Álvarez aus Mexiko und die Miyah-Vertreterin Lia Yewen aus Westpapua – setzen sich trotz extremer persönlicher Risiken gegen staatlich unterstützte Großprojekte und die Zerstörung ihrer Territorien zur Wehr. Sie sind mit Kriminalisierung, direkten Bedrohungen und erzwungener Vertreibung konfrontiert.
Unterstützt von Peace Brigades International (PBI) reisten beide im Dezember 2025 nach Großbritannien, um ihre dringenden Forderungen nach Gerechtigkeit, unternehmerischer Verantwortung und dem fundamentalen Recht auf Schutz ihrer Lebensgrundlagen zu verstärken. Ihre Geschichten stehen für unerschütterliche Widerstandskraft angesichts enormer Herausforderungen – und rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, von bloßer “Besorgnis” zu konkretem Handeln überzugehen.
Mexiko
Die Hüterin des Sees
In den westlichen Hochländern von Mexiko ist der Bundesstaat Michoacán Schauplatz eines Kampfes zwischen indigener Selbstbestimmung und dem wachsenden Einfluss krimineller Gruppen und wirtschaftlicher Interessen. Für Claudia Ignacio Álvarez, eine Purépecha-Aktivistin aus San Andrés Tziróndaro, geht es dabei nicht nur um Politik – es geht um das Überleben ihrer Gemeinschaft.
Obwohl Fischerei, Landwirtschaft und ein kulturell eng verwobenes Leben rund um den See Pátzcuaro seit Generationen in Harmonie mit der Natur existieren, ist dieses Gleichgewicht heute bedroht. Raubbau durch nicht lizensierten Bergbau sowie die intensive Ausbreitung von Beeren- und Avocado-Plantagen haben Böden und Wasser vergiftet – ohne vorherige Konsultation der Anwohner:innen.
Der Preis des Einsatzes
Die Verteidigung des Territoriums in Mexiko ist gefährlich. Allein 2024 wurden mindestens 32 Menschenrechtsverteidiger:innen getötet. Claudia selbst lebt heute im erzwungenen Exil und kann nur zu besonders wichtigen Treffen nach Michoacán zurückkehren.
„Die Unsicherheit ist extrem… Polizist:innen haben mich direkt bedroht und staatliche Stellen versuchen weiter, unsere Arbeit zu diskreditieren.“ – Claudia Ignacio Álvarez
Viele ihrer Weggefährt:innen wurden ermordet oder sind seit Langem verschwunden – darunter ihr Kollege Eustacio Alcalá Díaz, ihre Nichte Roxana Valentín Cárdenas und der Menschenrechtsverteidiger José Gabriel Pelayo.
Mit ihrer UK-Reise fordert Claudia die internationale Gemeinschaft auf, den mexikanischen Staat zur Rechenschaft zu ziehen und die Rolle multinationaler Firmen in diesen Konfliktzonen aufzuklären.
Westpapua – Schutz des Mutterwaldes
Die Lunge der Insel
Für die indigenen Gemeinschaften Westpapuas ist der tropische Regenwald nicht nur „Ressource“, sondern Mutter und Lebensquelle mit tiefem spirituellem Wert. Lia Yewen von den Miyah beschreibt diese enge Verbindung als Grundlage der Identität ihrer Gemeinschaft.
Seit der Eingliederung Westpapuas in den indonesischen Staat in den 1960er-Jahren ist dieses Verhältnis jedoch bedroht – vor allem durch industrielle Rohstoffprojekte unter dem Vorwand, nationale Nahrungs- und Energiebedarfe zu decken.
Großflächige Zerstörung und Militarisierung
Ein Regierungsprogramm sieht die Abholzung von über zwei Millionen Hektar Wald vor – mehr als das Zehnfache der Fläche Londons – ohne Rücksprache mit den betroffenen indigenen Gemeinschaften. Gleichzeitig hat die Präsenz von Palmöl- und Bergbauunternehmen zu einer massiven Militarisierung geführt: Schulen und Kirchen werden zu Militärbasen umfunktioniert, und über 100.000 Menschen sind intern vertrieben worden – eine Krise, die von der indonesischen Regierung nicht anerkannt wird.
„Die Situation der Binnenvertreibung wird nicht anerkannt, was den Zugang zu lebenswichtiger Hilfe extrem erschwert.“ – Lia Yewen
Lia appelliert an die internationale Gemeinschaft, über bloße Betroffenheit hinauszugehen. Sie fordert Druck auf Indonesien, den sicherheitsorientierten Ansatz zu beenden und echte Dialogstrukturen mit indigenen Vertreter:innen zu schaffen.
Ein Ruf zu internationalem Handeln
Der Besuch von Claudia und Lia im Dezember 2025 zielte darauf ab, politische Entscheidungsträger:innen, Parlamente, zivilgesellschaftliche Akteur:innen und Medien auf die weltweiten Herausforderungen indigener Landverteidigung aufmerksam zu machen. Dabei machen sie deutlich: Indigene Frauen stehen an vorderster Front im Kampf für Land, Wasser, Kultur und Klima – oft unter hohem Risiko und geringem Schutz.
Text: PBI UK
Wenn Sie über die aktuelle Menschenrechtslage in den PBI-Einsatzländern informiert werden wollen, abonnieren Sie unseren monatlichen E-Newsletter.