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Westpapua, Indonesien

Dolly, die unermüdliche Kämpferin – Widerstand und Hoffnung in Westpapua

Dolly, die unermüdliche Kämpferin – Widerstand und Hoffnung in Westpapua

18.03.2025 – In Westpapua setzt sich eine Frau entschlossen für die Rechte ihrer Gemeinschaft ein: Adolfina Kuum, auch bekannt als Dolly, kämpft gegen die Ausbeutung ihrer Heimat durch mächtige Bergbauunternehmen. Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Herausforderungen, denen sich Frauen in patriarchalen Gesellschaften stellen. Und sie zeigt, welchen Einfluss sie trotzdem auf ihre Gemeinschaften haben können.

„Wie kann ich als papuanische Frau wie mein Vater sein?“, fragt sich Dolly oft. Aufgewachsen in Agimuga, einem kleinen Dorf in der Region Mimika, wurde Dolly von ihrem Vater inspiriert, der sich stets für Bildung und soziale Gerechtigkeit einsetzte. Nach seinem Tod fühlte sie sich berufen ihren eigenen Weg als Aktivistin einzuschlagen und seinen Kampf fortzuführen. Sie gründete die Environmental Care Community in Timika, der Hauptstadt der Region und engagiert sich seitdem leidenschaftlich für die Rechte der Bewohner:innen Westpapuas. Die Menschen leben auf einem Territorium im Hochland, das Ende der 1960er Jahre durch das US-amerikanische Unternehmen Freeport aufgekauft wurde. Besonders betroffen sind die indigenen Gemeinschaften der Amungme, Kamoro und Samopane, deren Lebensraum durch die Bergbauindustrie zerstört wird. „Ich sah, dass unsere grundlegenden Rechte von Staat und Unternehmen ignoriert werden“, sagt Dolly. „Da nur wenige Papuas von dieser Industrie profitieren, wusste ich, dass ich handeln muss.“

Lepemawi - Lembaga Peduli Masyarakat Wilayah Mimika Timur Jauh (Far East Mimika Community Care Forum)

Ein Kampf gegen patriarchale Strukturen

Dollys Einsatz ist vielfältig: Sie organisiert Bildungs­maß­nahmen, stärkt die Gemeinschaft und kämpft besonders für die Rechte indigener Frauen. Ebenso setzt sie sich für die Reinigung verschmutzter Gebiete ein und führt Verhandlungen sowie Kampagnen durch. 2013 gründete sie das Far East Mimika Community Care Forum, um auch überregional noch mehr Gemeinden zu erreichen. Doch als Menschen­rechts­verteidigerin in einer patriarchalen Gesellschaft wird sie mit massiven Repressionen konfrontiert. „Staatliche Einsatzkräfte unterdrücken systematisch die Stimmen der Frauen“, berichtet sie. Einschüchterungen, Bedrohungen und willkürliche Verhaftungen sind Alltag. „Treffpunkte wurden zerstört, Autos demoliert. Wir wurden mehrfach festgenommen.“ Zudem werden Frauen von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen und nicht in die Konsultationsprozesse mit Unternehmen und Regierung eingebunden. „Viele Männer glauben, dass Frauen nur für Haushalt und Kinder zuständig sind. Wir werden stigmatisiert, weil wir weiblich sind“, beklagt sie. 

Lepemawi - Lembaga Peduli Masyarakat Wilayah Mimika Timur Jauh (Far East Mimika Community Care Forum)

Frauen als Bewahrerinnen der Natur

Trotz der Unterdrückung spielen Frauen eine zentrale Rolle in der Verteidigung von Umwelt und Menschenrechten. „Unser Land ist wie eine Mutter, die Leben schenkt, ernährt und schützt“, erklärt Dolly. Ein Symbol dafür ist die Herstellung von Noken – Kleidungsstücke und Taschen die aus natürlichen Materialien gewebt werden und für die enge Verbindung zwischen Frauen und Natur stehen. Sie werden in weiten Teilen Westpapuas als Transportmittel für Kinder oder Lebensmittel genutzt und symbolisieren das Leben und die Identität der Papua-Frauen.

Foto: Melanesia Sorabut

Dolly beschreibt die Frauen als Kämpferinnen für den Erhalt von Kultur und Umwelt: „Wir bewahren Wissen und geben es an die nächste Generation von Frauen weiter.“ Doch sie bleibt stets entschlossen, ihre Gemeinschaft zu schützen. Dollys Geschichte zeigt, dass Mut und Beharrlichkeit Veränderung bewirken können. Sie ist ein Sinnbild für Widerstand und Hoffnung sowie ein Beweis dafür, dass Frauen eine entscheidende Rolle im Kampf für Gerechtigkeit spielen.

Foto: Melanesia Sorabut

Hintergrund

Die Suharto-Diktatur öffnete Indonesien in den 1960er Jahren für ausländisches Kapital. Freeport, ein US-amerikanischer Bergbaukonzern, erhielt 1967 als erstes ausländisches Unternehmen die Lizenz zum Abbau von Kupfer und Gold in Westpapua. Die Grasbergmine, die größte Goldmine und eine der größten Kupferminen der Welt, steht seither für wirtschaftliche Ausbeutung, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen. Durch enge Verflechtungen mit Politik, Wirtschaft und Militär in Indonesien und den USA sicherte sich Freeport weitreichenden Einfluss. Besonders die indigenen Amungme, Kamoro und Samopane leiden unter den Folgen, da täglich giftige Abfälle in die Flüsse geleitet werden.

 Foto: AK Rockefeller, 2013 (flickr)

Text: Kristin Menzel
Fotos: Dolly (Lepemawi - Lembaga Peduli Masyarakat Wilayah Mimika Timur Jauh (Far East Mimika Community Care Forum);
Noken (Melanesia Sorabut); 
Karte (AK Rockefeller, 2013, flickr)