Dieses Jahr wird pbi 40 Jahre alt. Im Interview mit Ueli Wildberger blicken wir auf die Anfänge der Organisation und das erste Projekt in Guatemala zurück. Der Zürcher Theologe und Friedensaktivist engagierte sich während 15 Jahren für den Aufbau von pbi sowohl international als auch in der Schweiz – eine intensive Netzwerkarbeit ohne Internet, aber mit einer Wirkung, die bis heute anhält. 

Ueli, kannst du uns etwas von der Gründung von pbi erzählen?

Porträt Ueli Wildberger1981 fand das Gründungstreffen von pbi auf Grindstone Island, Kanada statt. Als IFOR-Delegierter konnte ich am Folgetreffen 1982 in den Niederlanden teilnehmen. Unter den 15 Friedensaktivisten, die teilnahmen, war auch Narajan Desai, pbi-Mitgründer und Sohn von Gandhis Sekretär. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen und davon, wie sie als FriedensstifterInnen bei Ausschreitungen zwischen Muslimen und Hindus in Indien dazwischen gingen, um die Leute auf beiden Seiten zu beruhigen und den sozialen Wiederaufbau in Gang zu bringen. Vinoba Bhave hatte Gandhis Idee einer Friedensarmee in den 50er-Jahren umgesetzt und bildete mehrere Tausend Personen für Einsätze aus. In den 60er-Jahren entstanden dann die World Peace Brigade mit Hilfe von Charles Walker, einem weiteren pbi-Mitgründer. Am erwähnten Treffen in den Niederlanden schlug ich mit zwei anderen Teilnehmern vor, keine große Struktur aufzubauen, sondern ein Pilotprojekt zu starten. Die Idee wurde gutgeheissen und die Versammlung beschloss, eine Abklärungsmission nach Zentralamerika zu entsenden.

Wie startete das erste Projekt in Guatemala?

Die Abklärungsmission in Zentralamerika kam mit dem Vorschlag zurück, nach der grossen Repression unter Ríos Montt in Guatemala ein Projekt an der Grenze zu Mexiko zu starten. Ziel war es, Botschaften zwischen den Bevölkerungsteilen, die sich im Urwald versteckten oder zuhause geblieben waren und jenen, die nach Chiapas geflohen waren, zu überbringen. Das war die erste Idee von pbi und die ersten Freiwilligen gingen 1983 in den Einsatz. Mit der Zeit entstand in der Hauptstadt eine Zusammenarbeit mit der Organisation Grupo de Apoyo Mutuo (GAM). Da deren Mitglieder massiv bedroht wurden, konnten sie sich praktisch nur noch in der pbi-Wohnung treffen. Als zwei Vorstandsmitglieder der GAM entführt und ermordet wurden, kam die Idee der internationalen Schutzbegleitung auf. Das war 1985, im Jahr als ich mit meiner Frau nach Zentralamerika reiste, um mir ein Bild der Situation vor Ort zu machen.

Wie ging es mit dem Aufbau der Organisation in Europa weiter?

Da es anfangs noch keine Struktur gab, setzte ich mich für das Guatemalaprojekt und die Suche nach Freiwilligen ein. Wir nahmen uns vor, jedes Jahr in einem anderen europäischen Land die Jahresversammlung durchzuführen, um pbi bekannt zu machen. Es war uns bewusst, dass es sich um heikle Einsätze handelte, für die es einen breit abgestützten Rückhalt durch ein weltweites Alarmnetz brauchte. Mit einem monatlichen Newsletter in Englisch versuchte ich in Europa das Netzwerk zu stärken. Ich verschickte ihn per Post an die Kontaktpersonen in den einzelnen Ländern, die ihn dann an ihre UnterstützerInnen und Freiwilligen weiterleiteten. Gleichzeitig arbeitete ich am Aufbau eines Schweizer-Unterstützungskomitees. Das erste Training für Freiwillige organisierten wir im Sommer 1986 in Nordspanien mit fast 20 TeilnehmerInnen. Das war eine sehr gute Erfahrung und es nahmen viele Personen teil, die später eine zentrale Rolle in der Organisation spielten.

Welche Bedeutung misst du der gewaltfreien Intervention in aktuellen Krisen bei?

Ich finde, sie hat nach wie vor eine grosse Bedeutung. In meiner Friedensarbeit bin ich immer von einem ganzheitlichen Konzept der gewaltfreien Intervention ausgegangen. Neben der Schutzbegleitung, auf die sich pbi konzentriert, gibt es andere Funktionen wie die Faktenermittlung, Trainings für die Betroffenen, die Veranstaltung von Dialogmöglichkeiten, die Vermittlung oder Mediation und die Ausbildung einheimischer Friedenskräfte, die mir aussichtsvoll erscheinen. Es gibt viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten und Organisationen wie pbi finde ich sehr wichtig. Für das 40-Jahre-Jubiläum wünsche ich pbi, dass sie weiterhin floriert und noch größer wird, um eine breite Palette gewaltfreier Methoden umsetzen zu können.