Liebe:r Leser:in,
stellen wir uns eine Welt vor, in der Gerechtigkeit kein Privileg ist: In der Journalist:innen frei berichten, indigene Gemeinschaften ihr Land bewahren und die Suche nach verschwundenen Angehörigen staatlich geschützt wird. In dieser Welt wäre PBI überflüssig.
Doch der Weg dorthin ist keine Träumerei – wir gehen ihn bereits. Das Jahr 2025 zeigt: Wenn wir mutige Menschen schützen, beginnt sich die Welt zu verändern. Historische Erfolge wie die Auszeichnung der Umweltschützerin Jani Silva mit einem Friedenspreis oder die neuen Schutzstrategien gegen Repressionen von Exil-Nicaraguaner:innen sind reale Utopien. Sie beweisen, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschenrechtsverteidiger:innen (MRV) ihrer Arbeit nachgehen können. In acht Ländern, von den instabilen Regionen Nepals bis zu den umkämpften Gebieten Kolumbiens, tragen wir zu ihrem Schutz bei.
Unsere Projekte im Jahresrückblick
Neun Jahre nach Abschluss des Friedenvertrags ist die Gewalt in vielen Regionen Kolumbiens trotz der Bemühungen um einen „Totalen Frieden“ unter Gustavo Pedro wieder stark gestiegen. In Catatumbo, der Grenzregion zu Venezuela, kam es zu massiven Vertreibungen, weshalb PBI dort die Bauernvereinigung ASCAMCAT begleitete, um Landrechtsverteidiger:innen Schutz und Sichtbarkeit zu verleihen.
Ein positives Highlight war die Verleihung des Hessischen Friedenspreises an Jani Silva, die sich seit über vier Jahrzehnten mit der Vereinigung für nachhaltige Entwicklung der Perla Amazónica (ADISPA) für den Schutz des Amazonas und die Rechte kleinbäuerlicher Gemeinschaften in Putumayo einsetzt. Trotz vieler Morddrohungen führt sie ihre Arbeit in Begleitung von PBI fort.
Auch im zweiten Amtsjahr von Präsidentin Claudia Sheinbaum blieb die Menschenrechtslage in Mexiko prekär. Mit über 133.000 Vermissten stieg die Zahl der Verschwundengelassenen im Vergleich zur Vorgängerregierung sogar um 16 %.
MRV und Journalist:innen arbeiten weiterhin unter hohem Risiko – besonders gefährdet sind Land- und Umweltaktivist:innen. Der staatliche Schutzmechanismus bleibt aufgrund von Personalmangel und fehlenden Ressourcen weitgehend wirkungslos.
PBI Mexiko begleitete 2025 vor allem indigene Landrechts- und Umweltverteidiger:innen, die sich gegen die negativen Folgen des Bergbaus einsetzen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung von Angehörigen gewaltsam Verschwundener und Organisationen, die sich für Aufklärung, Anerkennung und politische Maßnahmen gegen das Verschwindenlassen stark machen.
In Honduras standen im letzten Jahr Präsidentschafts-, Parlaments- und Kommunalwahlen im Mittelpunkt. Bereits im Vorfeld äußerte die UN-Sonderberichterstattung Besorgnis über zunehmende Drohungen und Stigmatisierung von MRV und Journalist:innen. Mehr als drei Wochen nach den Wahlen erklärte die Wahlbehörde den von Donald Trump unterstützten Kandidaten Nasry Asfura zum Sieger.
Die honduranische Zivilgesellschaft setzt sich weiterhin für die Bekämpfung struktureller Probleme ein: Korruption, hohe Gewaltraten, ungleiche Land- und Ressourcenverteilung sowie Angriffe auf Aktivist:innen. Anlässlich der Überprüfung der Menschenrechtslage vor dem UN-Menschenrechtsrat veröffentlichte PBI Honduras gemeinsam mit lokalen Organisationen einen Bericht zur Diskriminierung und Gefährdung der LGBTQIA*-Community im Land. Zudem begleitete PBI insbesondere MRV, die sich für Landrechte und den Schutz natürlicher Ressourcen einsetzen.
Trotz der demokratischen Öffnung Guatemalas unter Präsident Bernardo Arévalo bleiben zentrale Staatsorgane durch alte Machtstrukturen gelähmt. Dies betrifft insbesondere die Generalstaatsanwältin Consuelo Porras und den Sonderstaatsanwalt gegen Straflosigkeit Rafael Curruchiche: Die UN-Berichterstatterin für die Unabhängigkeit von Richter:innen und Staatsanwält:innen kritisiert einen massiven Missbrauch des Strafrechts. Durch die vorsätzliche Kriminalisierung von MRV, Justiz-beamt:innen und Journalist:innen werden grundlegende Menschenrechte systematisch verletzt.
Staatliche Reformversuche im Bereich der Landrechte blieben hinter den Erwartungen der Zivilgesellschaft zurück, weshalb PBI weiterhin Aktivist:innen unterstützt, die sich für eine Lösung der Landkonflikte einsetzen. Zudem begleitete PBI zahlreiche Gerichtstermine zur Aufarbeitung des über 30-jährigen internen bewaffneten Konflikts.
In Nicaragua erreichte die transnationale Dimension der Repression im Jahr 2025 einen neuen Höhepunkt, da kritische Stimmen und Oppositionelle zunehmend auch im Exil verfolgt und bedroht wurden. Ein dramatisches Beispiel hierfür war die Ermordung des Regierungskritikers Roberto Samcam in Costa Rica. Vor diesem Hintergrund verstärkte das PBI-Büro in Costa Rica gemeinsam mit Exilorganisationen den Fokus auf Sicherheitsstrategien, um bedrohte Aktivist:innen im Exil besser zu schützen. Im Oktober berichteten Sadie Rivas und Gender Sotelo Vargas in Deutschland und Spanien über Widerstand, Exilerfahrungen und die Situation inhaftierter MRV.
Ein UN-Bericht bestätigte die systematische Verfolgung über Landesgrenzen hinweg, woraufhin die EU ihre Sanktionen gegen Regierungsakteure verlängerte. Während internationale Kritik wuchs, isolierte sich die Ortega-Murillo Regierung zunehmend und kündigte sogar den Rückzug aus dem UN-Menschenrechtsrat an.
2025 war Kenia von wachsender Repression geprägt: Staatliche Gewalt gegen Proteste und der mutmaßliche Einsatz von Provokateuren schwächten das Vertrauen in die Institutionen. In diesem schrumpfenden Handlungsraum waren MRV verstärkt Überwachung und Drohungen ausgesetzt, was zu hoher psychischer Belastung führte.
PBI Kenia reagierte mit gezieltem Kapazitätsaufbau für das Netzwerk der „Women Human Rights Defenders“, um die Nachhaltigkeit ihrer Arbeit zu stärken und weitete die Kooperation mit den indigenen Ogiek aus. Ein historischer Erfolg gelang dem CJGEA : Auf ihren Widerstand hin stoppte das kenianische Kabinett ein umstrittenes Atomprogramm und löste die zuständige Behörde auf. Damit wurden die Ökosysteme rund um die Gemeinde Kilifi gerettet. Die schützende Begleitung durch PBI war hierbei entscheidend, um den nötigen Sicherheitsraum für zivilgesellschaftlichen Druck und die Debatte über gerechte Energielösungen zu schaffen.
Die politische Lage in Indonesien war 2025 geprägt von breiten Protesten gegen Regierungspolitik, Korruption und neue Gesetze. Staatliche Einsatzkräfte gingen teils gewaltsam gegen Demonstrierende vor, Hunderte wurden verletzt oder festgenommen. Kritiker:innen sehen eine Einschränkung demokratischer Freiheiten und einen schrumpfenden zivilgesellschaftlichen Raum.
In Westpapua sind über 60.000 Menschen auf der Flucht vor Militäroperationen und haben weder sicheren Zugang zu Trinkwasser und Nahrung noch zu medizinischer Versorgung.
PBI arbeitete mit Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen in vielen Regionen Indonesiens, um besonders marginalisierten MRV Sichtbarkeit auf globalen Plattformen zu verschaffen. Bei Lobbyreisen in Europa konnten sie bei Filmfestivals, Podiumsdiskussionen und Gesprächen mit Politiker:innen von ihrer Arbeit berichten. Im November nahmen indonesische MRV aus Westpapua und anderen Regionen an der COP30 in Brasilien teil, um auf Regenwaldzerstörung in Südostasien aufmerksam zu machen und sich international für Klimaschutz zu vernetzen.
Das Jahr 2025 war in Nepal von tiefer politischer Instabilität und einem historischen Umbruch geprägt. Für MRV schuf dies ein unsicheres Arbeitsumfeld. Das politische Klima war dominiert von massiven, durch die „Gen Z“ mobilisierten Protesten, weitreichenden Korruptionsermittlungen und dem daraus resultierenden Sturz der Regierung.
Gemeinsam mit MAHURI HOME, COCAP und dem Advocacy Forum unterstützte PBI Nepal lokale Organisationen in 14 Distrikten der Terai-Region dabei, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und sichtbar zu machen. Schulungen zu rechtlichen Fragen, psychosozialer Begleitung und Storytelling stärkten ihr Wissen und ihren Mut. Gemeindebasierte Schutzinitiativen verbesserten den Dialog mit Behörden und die systematische Erfassung der Fälle. Netzwerkarbeit und Advocacy verschafften marginalisierten Gemeinschaften mehr Gehör. Teilnehmende berichteten von mehr Selbstvertrauen, stärkerer Zusammenarbeit und wachsender Anerkennung in ihren Gemeinden. Gleichzeitig bleiben digitale Bedrohungen und die sich rasch wandelnde politische Lage eine große Herausforderung.
MRVs und Journalist:innen werden für ihre Arbeit kriminalisiert und sind massiven Bedrohungen ausgesetzt. Bisher zeichnet sich keine Verbesserung ab. PBI begleitet insbesondere Indigenen-Organisationen sowie Familien verschwundener Personen und setzt sich in politischen Netzwerken für ihren Schutz ein.
Advocacy
2025 empfing PBI Deutschland Begleitete aus Organisationen in Guatemala, Honduras, Kolumbien, Kenia und Nicaragua. Bei den Treffen mit politischen Entscheidungsträger:innen und zivilgesellschaftlichen Partner:innen standen neben dem Schutz von MRV insbesondere LGBTQIA*-Rechte, indigene Rechte, Zugang zu Land, Umwelt- und Klimaschutz, transnationale Repression sowie Flucht und Migration im Fokus.
Darüber hinaus engagierte sich PBI Deutschland kontinuierlich im Advocacy-Bereich: Als Mitglied von sechs Menschenrechtsnetzwerken setzte sich das Team für die Anliegen begleiteter Aktivist:innen ein und stärkte deren Sichtbarkeit auf nationaler und internationaler Ebene.
So trägt PBI dazu bei, die Sicherheit, Anerkennung und Handlungsfähigkeit von MRV langfristig zu sichern.
Bildungsprojekt
2025 konnte das PBI-Bildungsprojekt seine Arbeit erfolgreich fortsetzen und weiterentwickeln. Über 5.000 Teilnehmende wurden mit unseren Bildungsangeboten erreicht. Besonders erfolgreich war die Seminarreihe im Studiengang „Intercultural Conflict Management“ an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin sowie das Weiterbildungsseminar zu „Klimagerechtigkeit“ in Kooperation mit den „Klima-Monologen“.
Ein neues dreijähriges Projekt wurde bewilligt: „Zukunft verhandeln – Shrinking Spaces entgegenwirken, junge Friedensaktivist:innen durch entwicklungspolitische Bildung stärken“. Auch das Puppentheater mit Bildungsreferentin Heike Kammer ist weiterhin stark nachgefragt und vermittelt den Jüngsten spielerisch Themen des Globalen Lernens.
So trägt das Bildungsprojekt dazu bei, junge Menschen zu befähigen, sich aktiv für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte einzusetzen – lokal wie global.
Finanzen
Der Jahresabschluss 2025 steht noch aus, momentan ist jedoch absehbar, dass rund 2,5 Mio. € an Fördermitteln und Spenden eingeworben wurden, von denen rund 2 Mio. € an die PBI-Projekte im Ausland weitergeleitet wurden. Wie im vergangenen Jahr zeichnen sich für die Aktivitäten in Deutschland, inklusive des PBI-Bildungsprojekts, Ausgaben in Höhe von rund 500.000 € ab. Die endgültigen Zahlen können Sie nach Prüfung dem Jahresbericht auf unserer Website entnehmen.
Spenden per Überweisung – unser Spendenkonto
PBI – Deutscher Zweig e.V.
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