Die Lage der Menschenrechte in Nicaragua
Seit der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten gegen eine kontroverse Reform der Sozialversicherung im April 2018 befindet sich Nicaragua in einer politischen Abwärtsspirale. Tausende Personen wurden verletzt, hunderte unrechtmäßig inhaftiert, verurteilt, gefoltert oder gar umgebracht. Seit 2018 wurden zudem 5.535 zivilgesellschaftliche Organisationen von der Regierung oder der Nationalversammlung aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Die vom UN-Menschenrechtsrat mandatierte Expert:innengruppe zur Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua (GHREN) bestätigte wiederholt in ihren Jahresberichten – jüngst im Frühjahr 2026 – dass die nicaraguanischen Regierung grobe und systematische Menschenrechtsverletzungen begeht, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen.
Gleichzeitig isoliert sich Nicaragua zunehmend vom internationalen Menschenrechtssystemen durch den Austritt aus den entsprechenden Gremien, darunter die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die Internationale Organisation für Migration (IOM), die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) und der UN-Menschenrechtsrat, und hat bereits diverse weitere Organisationen, etwa die Internationale Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, des Landes verwiesen.
Die Situation in Costa Rica
Mehr als 850.000 Nicaraguaner:innen haben seit April 2018 ihre Heimat verlassen, mehr als 240.000 von ihnen haben in Costa Rica Asyl beantragt. Der große Andrang an nicaraguanischen Asylsuchenden in Costa Rica hat schwerwiegende Folgen. Viele von ihnen warten in Anbetracht der Überlastung der costa-ricanischen Behörden jahrelang auf Entscheide in ihren Asylverfahren und leben in schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen.
Die Repression geflüchteter Nicaraguaner:innen endet zudem nicht zwangsläufig mit der Flucht: Viele regimekritische Nicaraguaner:innen fürchten auch im Ausland Überwachung und Verfolgung. Am 19. Juni 2025 wurde der ehemalige Major der Armee und wichtige Stimme der Opposition Roberto Samcam in Costa Rica ermordet. Letzteres löste eine Welle der Angst bei nicaraguanischen Geflüchteten aus, insbesondere jenen, die sich für ein demokratisches und gerechtes Nicaragua einsetzen.
PBI in Costa Rica
Auf Anfrage verschiedener lokaler und regionaler Organisationen im Anschluss an die soziale Krise in Nicaragua im April 2018 führte PBI einen Erkundungsprozess in der Region durch und identifizierte eine große Anzahl von Nicaraguaner:innen, die aufgrund der politischen Unterdrückung nach Costa Rica geflüchtet sind.
Aus diesem Grund hat PBI im Jahr 2020 ein Projekt initiiert, um in Costa Rica lebende Menschenrechtsverteidiger:innen und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie im Exil neugegründete Kollektive durch Stärkung ihrer Strukturen und psychosoziale Begleitung sowie durch Advocacy- und Öffentlichkeitsarbeit zu begleiten. Die von PBI organisierten Workshops sind inhaltlich und methodisch an die Bedürfnisse jeder Gruppe angepasst, wobei gendersensible und friedensstiftende Ansätze als grundlegende Leitlinien für ihre Entwicklung berücksichtigt werden.
Das Projekt zielt auch darauf ab, das soziale Gefüge der Menschen, die PBI im Exil begleitet, durch Räume für den Austausch von Wissen und Strategien zur Verteidigung der Menschenrechte untereinander und mit weiteren begleiteten Menschenrechtsverteidiger:innen in der Region zu stärken.
Die von PBI begleiteten Organisationen und Kollektive setzen sich inhaltlich für die politische Teilhabe junger Menschen sowie die Rechte kleinbäuerlicher Bewegungen, der LGBTQIA*-Gemeinschaft und multiethnischer Gemeinschaften aus der Karibik, die aus dem Ausland weiterhin Verbindungen zu den Menschenrechtsbewegungen in Nicaragua unterhalten und hoffen, zurückzukehren, sobald sich die Bedingungen verbessern.
PBI Nicaragua (Costa Rica) im Überblick
► Standort: San José (Costa Rica)
► Koordination: 3 Mitarbeitende
► Begleitete Organisationen und Menschenrechtsverteidiger:innen
Weitere Informationen
>> Website des Projekts (Englisch und Spanisch)
>> Portraits und Videos: Die Verteidigung der Menschenrechte kennt keine Grenzen – Stimmen aus dem Exil
>> Publikation: „Voces nicaragüenses en Resistencia“
>> Komik: „Nicaragua continuará…“
>> PBI lanza proyecto de acompañamiento para apoyar a exiliados nicaragüenses en Costa Rica
>> PBI launches new project to support Nicaraguan defenders in exile in Costa Rica
>> Comunidao de Prensa: CIDH manifiesta su preocupación por la continuación de la represión en Nicaragua
>> Podcastreihe „Making Space for Dialogue“