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Sandra Calel bei den Vereinten Nationen: Die Stimme indigener Gemeinschaften Guatemalas erreicht Genf

13.04.2026 – Der Besuch der guatemaltekischen Menschenrechtsverteidigerin Sandra Calel, Vertreterin der indigenen Maya-Poqomchí-Gemeinschaft, in Genf erfolgt in einem besonders bedeutsamen Moment für Menschenrechte in Guatemala. Verschiedene UN-Mechanismen hatten Guatemala zuletzt eingehend geprüft – vor dem Hintergrund von Zwangsvertreibungen indigener Gemeinschaften, der Kriminalisierung von indigenen Führungspersonen sowie des fehlenden wirksamen Schutzes ihrer Landrechte. 

Die Zwangsvertreibungen betreffen hauptsächlich die Maya-Gemeinschaften der Q’eqchi‘ und Poqomchí in den Regionen Alta Verapaz, Baja Verapaz, Petén und Izabal. Lokale Organisationen prangern den unverhältnismässigen Einsatz von Gewalt bei diesen Einsätzen an, an denen öffentliche und private Sicherheitskräfte beteiligt sind und die häufig zur Zerstörung von Wohnungen und Lebensgrundlagen führen. Vor diesem Hintergrund erhält die Teilnahme von Sandra Calel, Leiterin der Frauenorganisation der Verapazischen Vereinigung kleinbäuerlicher Organisationen (Unión Verapazense de Organisaciones Campesinas / UVOC), an der 61. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats besonderes Gewicht. Ihre Stimme ermöglichte es, die Lage der ländlichen und indigenen Gemeinschaften ihrer Region international sichtbar zu machen und den Aufruf zu verstärken, dass Guatemala die Empfehlungen des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf angemessenes Wohnen sowie die des CERD-Ausschusses umsetzen solle. 

Für Sandra Calel war die Erfahrung intensiv und zutiefst bedeutsam. Sie hatte bereits an mehreren Advocacy-Reisen ins Ausland teilgenommen, doch war es das erste Mal, dass sie den Menschenrechtsrat betrat, ein Raum, in dem über politische Massnahmen und Empfehlungen verhandelt wird, die weitreichende Folgen für die Menschenrechtslage vieler Länder haben können. Ihre Reise durch Europa umfasste Treffen mit UN-Beamt:innen, Gespräche mit Vertreter:innen der diplomatischen Missionen – darunter die der europäischen Union und Spaniens -, öffentliche Beiträge sowie die Teilnahme an akademischen und zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen. Besonders hervorzuheben ist die Vorstellung des offiziellen Berichts des Sonderberichterstatters für das Recht auf angemessenes Wohnen im Anschluss an seinen Besuch in Guatemala – ein Bericht, der Schlussfolgerungen und Empfehlungen an den guatemaltekischen Staat enthält. Darüber hinaus sprach Sandra Calel bei einer Parallelveranstaltung im Palais des Nations, gemeinsam mit Balakrishnan Rajagopal. Zusammen nahmen sie auch an einer Veranstaltung für ein universitäres Publikum am Graduate Institute of International and Development Studies (IHEID) teil. 

Zu den zentralen Empfehlungen des Sonderberichterstatters gehört der dringende Aufruf an den guatemaltekischen Staat, ein sofortiges Moratorium für kollektive Zwangsvertreibungen zu verhängen, bis die rechtlichen Schutzmechanismen für sichere Landbesitzverhältnisse gestärkt sind. Der Bericht warnt zudem, dass die Kriminalisierung der „Landbesetzung“ – die in vielen Ländern als zivilrechtliche Angelegenheit gilt – zu Tausenden von Haftbefehlen gegen indigene und ländliche Gemeinschaften geführt hat. Der Sonderberichterstatter empfiehlt, die einschlägigen Gesetze aufzuheben oder zu ändern und alle Personen freizulassen, die willkürlich inhaftiert wurden, weil sie ihr Recht auf Wohnen oder Land verteidigt haben. 

Sandra Calel hatte ausserdem die Gelegenheit, Mary Lawlor noch vor dem Ende ihres Mandats als Sonderberichterstatterin für die Situation von Menschenrechtsverteidiger:innen zu treffen – ein wichtiger Rahmen, um die Risiken jener Menschen sichtbar zu machen, die sich für den Schutz ihres Territoriums und ihrer kollektiven Rechte einsetzen. Das Team von Peace Brigades International stand ihr dabei jederzeit zur Seite und leistete logistische Unterstützung, Übersetzungsdienste sowie Orientierungshilfe bei den Abläufen und der internen Funktionsweise ihrer Speaking Tour. 

Calel betont, wie wichtig es ist, diese Art von internationalem Engagement weiterzuentwickeln – auch wenn sie anerkennt, dass Veränderungen oft Zeit brauchen und von vielen Akteur:innen abhängen. Sie unterstreicht die Notwendigkeit, die Stimmen der Gemeinschaften weiterhin in diese Foren zu tragen. Da sie weiss, dass Wandel Geduld und Ausdauer erfordert, ist sie überzeugt, dass die kontinuierliche Teilnahme an internationalen Foren ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einem besseren Schutz der Rechte indigener und ländlicher Gemeinschaften in Guatemala ist.

Text: PBI Schweiz

Weitere Informationen
>> Die Empfehlungen des Sonderberichterstatters zum Recht auf angemessenen Wohnraum 
>> Artikel über den Bericht über angemessenen Wohnraum und dessen Presentation im HRC61 
>> Abschliessende Bemerkungen zum Bericht Guatemalas vor dem CERD

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