10.04.2026 – Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) kritisiert den Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Künftig soll nach jetzigen Informationen konstruktive Konfliktbearbeitung im Programm kein eigenständiges Arbeitsfeld mehr sein, auf den weiteren Aufbau von bundesweiten Strukturen für Konfliktbearbeitung verzichtet die Bundesregierung.
„Wir können diese politische Entscheidung nicht nachvollziehen. Gerade in konfliktreichen Zeiten müssen Kräfte gebündelt werden, die den gesellschaftlichen Frieden und das demokratische Miteinander fördern“, sagt Jan Gildemeister, Geschäftsführer der AGDF. „Konstruktive Konfliktbearbeitung ist ein elementarer Bestandteil unserer Demokratie. Es braucht dafür Fachwissen, Vernetzung und Anlaufstellen, an die sich Betroffene in Kommunen, aber auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kitas, die Feuerwehr oder die Jugendarbeit in Konfliktlagen wenden können. Wir benötigen daher mehr und nicht weniger Strukturen für die Bewältigung gesellschaftlicher Konflikte“, macht er deutlich.
Durch den Umbau des Programms verliert auch der Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung Ende 2026 die staatliche Förderung. Er war Anfang 2025 angetreten, um Wissen der Konfliktbearbeitung in Deutschland zu bündeln, weiterzuentwickeln und für Akteure in Kommunen und Zivilgesellschaft leichter zugänglich zu machen. Als Teil des Kooperationsverbundes hat die AGDF dabei unter anderem den Ausbau des Bundesnetzwerks Konfliktbearbeitung übernommen und bereits erste Erfolge erzielt: Das Bundesnetzwerk konnte durch die staatliche Anschubfinanzierung im Programm „Demokratie leben!“ von 15 auf rund 50 Organisationen anwachsen, die sich praktisch und fachpolitisch für konstruktive Konfliktbearbeitung in Deutschland einsetzen.
Insgesamt werden durch die Änderungen im Programm Synergien und Weiterentwicklungen im Arbeitsfeld Konfliktbearbeitung geschwächt. So verlieren auch die acht Innovationsprojekte zum Thema Konfliktbearbeitung im Programm „Demokratie leben!“ Ende des Jahres ihre Förderung.
„Radikalisierung, Polarisierung und menschenfeindliche Einstellungen gefährden unsere Demokratie und werden anschlussfähig, wo sie auf ungelöste Konflikte treffen. Dem können wir mit konstruktiver Konfliktbearbeitung etwas entgegensetzen“, ist Gildemeister überzeugt. „Die AGDF setzt sich daher auch künftig für Konfliktbearbeitung in Deutschland ein und dafür, dass sie eigenständiger Schwerpunkt bei ‚Demokratie leben!‘ bleibt“, unterstreicht der AGDF-Geschäftsführer.