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22.06.2020 – Vor Kurzem erschien der Jahresbericht 2019 des Nepal Monitor Projekts. Im Bericht zeigt die Plattform einen Anstieg von Menschenrechtsverletzungen gegenüber 2018 auf. Insbesondere die Zunahme an Gewalttaten gegenüber Frauen ist besorgniserregend. Der Bericht gibt einen Überblick über die Menschenrechtsverletzungen im Jahr 2019 und zeigt deren Entwicklungen.

Im vergangenen Jahr wurden vom Nepal Monitor Projekt insgesamt 3720 Menschenrechts­verletzungen dokumentiert, wobei ca. zwei Drittel (2538) davon als gewalttätig und ein Drittel (1182) als nicht–gewalttätig eingestuft werden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 447 Personen getötet und 2091 verletzt. Dabei sind die meisten Fälle geschlechterbasierter Gewalt zuzuordnen, gefolgt von Auseinandersetzungen persönlicher Art.

Gewalt gegen Frauen ist in Nepal leider weit verbreitet. Rund ein Viertel aller verheirateten Frauen machen Erfahrungen mit verschiedenen Formen von Gewalt. Davon sucht nur ein Bruchteil Hilfe, denn soziale Stigmatisierung oder Ausschluss aus den Gemeinschaften sind oft ein Grund, warum viele Frauen nicht um Unterstützung ansuchen.

Obwohl geschlechterbasierte Gewalt im Jahr 2018 zurückgegangen ist, stiegen die Zahlen 2019 wieder an. Insbesondere Vergewaltigungen haben zugenommen. Mehr als die Hälfte der Gewalttaten gründen auf geschlechterbasierter Gewalt (1300). Durch geschlechterbasierte Gewalt sind allein 193 Personen gestorben und 125 verletzt worden. Der Großteil der Vorfälle sind sexuelle Übergriffe, einschließlich Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung. In jedem dritten Fall ist ein Familienmitglied oder Verwandter Täter.

Neben diesen Taten und jenen häuslicher Gewalt, gibt es auch Vorfälle von Gewalt aufgrund mangelnder Mitgift. So wurden 24 gewalttätige Mitgiftfälle registriert, bei denen Frauen teils gefoltert wurden, weil sie kein Fahrrad oder keinen Kühlschrank in die Ehe mitbrachten. Der Bericht geht auch auf Fälle im Zusammenhang mit der Praxis von Chhaupadi ein. Chhaupadi ist eine die Menstruation tabuisierende Praxis, bei der Frauen und Mädchen während ihrer Menstruation aus dem Haus verbannt werden und für die Zeit ihrer Periode in einer „Menstruationshütte“ übernachten müssen. Obwohl diese Praxis großteils geächtet ist, haben auch im vergangenen Jahr mehrere Frauen dadurch ihr Leben verloren. So sind mehrere Fälle dokumentiert, bei denen Frauen während der Menstruation dazu gezwungen wurden, in einer Hütte ohne Fenster zu schlafen. Durch ein Feuer, das sie warmhalten sollte, erstickten sie.

Neben geschlechterbasierter Gewalt werden 649 Menschenrechtsverletzungen als „governance related“ gezählt, wobei die meisten davon als nicht–gewalttätig eingestuft wurden. Dies ist eine Zunahme gegenüber 2017 und 2018. Die Vorfälle wurden durch eine Reihe von Faktoren ausgelöst: darunter die ineffiziente und geringe Qualität der öffentlichen Dienstleistungen, Schwierigkeiten beim Zugang zu bestimmten Diensten, Mangel an rechtlichen Schritten gegenüber Täter_innen, fehlender Zugang zu Gerichten sowie Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Die Anzahl der gewalttätigen und gewaltfreien Vorfälle im Zusammenhang mit Regierungs– und Staatsgewalt erreichte im zweiten Quartal 2019 ihren Höhepunkt. Grund dafür waren Proteste gegen die Bemühungen der Regierung, die Meinungsfreiheit durch Verhaftungen von Journalist_innen und Künstler_innen einzuschränken, sowie Korruptionsprobleme und eingeschränkter Zugang zu juristischen Institutionen. 

Text: Jakob Rieder

Weitere Informationen:
>> Nepal Peace Monitor Review 2019