An die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz Anna Stolz
Die aktuellen Kriege betreffen junge Menschen in besonderer Weise: Sie sollen Wehrdienst leisten. Die riesigen Schulden für Aufrüstung gehen zulasten der Investitionen in ihre Zukunft, zum Beispiel in Bildung und Klimaschutz. Und auch im Schulalltag spiegeln sich internationale Konflikte wie in der Ukraine oder in Nahost längst wider.
Junge Menschen haben ein Recht auf Mitsprache. Um dieses Recht gut informiert ausüben zu können und eine friedliche Zukunft aktiv mitzugestalten, brauchen sie die Chance, sich differenziert mit den Themen Krieg und Frieden auseinanderzusetzen.
Darum fordern wir:
Frieden in den Lehrplan!
► Friedensbildung von der Grundschule bis zur Oberstufe in die Curricula aufnehmen
► Friedensbildung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften stärken
► Mehr Fachleute für Friedensbildung an die Schulen, statt nur Jugendoffiziere der Bundeswehr
Was wir fordern!
1. Friedensbildung von der Grundschule bis zur Oberstufe in die Curricula aufnehmen Friedensbildung ist weitaus mehr als die Vermittlung von Wissen über Fragen von Krieg und Frieden. Sie fördert Kompetenzen für einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten, zwischen Menschen und in der Gesellschaft. Sie stärkt friedensfördernde Haltungen und Friedenshandeln im eigenen Umfeld. Das sind Kompetenzen, die wir angesichts eskalierender Konflikte weltweit und zunehmender Polarisierung auch in unserer Gesellschaft dringend brauchen.
Friedensbildung sollte deshalb bereits in der Grundschule beginnen und in Unter-, Mittel- und Oberstufe in allen Schulformen in die Curricula aufgenommen werden.
2. Friedensbildung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften stärken Die Konflikte in unserer Gesellschaft und in der Welt spiegeln sich in der Schule wider. Lehrkräfte sind damit konfrontiert und müssen darauf eingehen. Friedensbildung sollte daher bereits im Lehramtsstudium, im Referendariat und in der Lehrkräftefortbildung stärker integriert werden.
Dafür braucht es Lehrstühle für Friedensbildung an Hochschulen und Universitäten und Fachstellen für Friedensbildung in allen Bundesländern, die Schulen und Lehrkräfte mit Fortbildungen und Materialien unterstützen sowie schulische und außerschulische Akteure vernetzen.
3. Mehr Fachleute für Friedensbildung an die Schulen, statt nur Jugendoffiziere der Bundeswehr Aktuell dominiert die Bundeswehr über ihre Jugendoffiziere als außerschulischer Akteur beim Thema Krieg und Frieden, und das, obwohl einzelne Bundesländer Beschlüsse für ausgewogene Repräsentanz unterschiedlicher Expertisen getroffen haben. Die Bildungspolitik muss Strukturen wie die Servicestellen für Friedensbildung stärken und Förderprogramme entsprechend ausstatten, damit mehr Fachleute für Friedensbildung in die Schulen kommen können.
Warum das wichtig ist!
Bildungspolitik ist in Deutschland Ländersache. Gemeinsame Beschlüsse der Bildungsminister*innen haben eine hohe Verbindlichkeit und Relevanz für die Lehrpläne und Lehrkräfteausbildung in allen Bundesländern. Deshalb richten wir unsere Petition an die Bildungsministerkonferenz: Sie soll einen Beschluss zur Friedensbildung fassen und einen entsprechenden Orientierungsrahmen entwickeln.
Sie hat in der Vergangenheit bereits vergleichbare Empfehlungen zu Themen wie Demokratiebildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung beschlossen. Doch bislang gibt es keine entsprechenden Beschlüsse oder Orientierungsrahmen für die Friedensbildung.
Angesichts der wachsenden Relevanz friedens- und sicherheitspolitischer Themen für die Lebenswirklichkeit und die Zukunft junger Menschen sollte die Friedensbildung in allen Bundesländern gestärkt werden.
Was ist Friedensbildung?
Friedensbildung vermittelt Kompetenzen für einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten, zwischen Menschen und in der Gesellschaft. Sie adressiert also sowohl die individuelle Ebene, auf der Konzepte zur Gewaltprävention ansetzen, als auch die gesellschaftliche bis hin zur internationalen Ebene.
Frieden wird dabei als Prozess verstanden, in dem Gewalt reduziert wird und Gerechtigkeit zunimmt. Friedensbildung vermittelt somit das Verständnis, dass Frieden eine immerwährende Aufgabe für uns alle ist.
Deutschland ist international verpflichtet, mehr für die Friedensbildung zu tun.
Im Jahr 2023 hat die UNESCO eine „Empfehlung für Friedensbildung“ verabschiedet. Sie schreibt dazu: „Im Zentrum der neuen UNESCO-Empfehlung steht das moderne, umfassende Friedensverständnis. Frieden ist demnach nicht nur die Abwesenheit von Krieg und unmittelbarer Gewalt, sondern ein Prozess, in dem Menschen zusammenwirken, um eine gerechte, nachhaltige und inklusive Zukunft aktiv mitzugestalten. Aufgabe der Bildung ist nach dem neuen Völkerrecht, allen Menschen das Handwerkszeug zu vermitteln, Frieden zu leben.“
Deutschland ist verpflichtet, die Empfehlungen der UNESCO umzusetzen und Friedensbildung zu stärken.
Aufrufende Organisationen (Stand: 01.06.2026)
► Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e. V.
► afpb e. V. (Arbeitskreis friedenspolitische Bildung)
► Berghof Foundation Operations gGmbH
► Bildungswerk der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Hessen
► Bund der Deutschen Katholischen Jugend – Diözesanverband Freiburg
► Bund für Soziale Verteidigung e. V.
► Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e. V., Landesverband NRW
► Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e. V., Landesverband Baden-Württemberg
► Eine Welt Netz Oberhausen e. V.
► Ev. Familien- und Erwachsenenbildungswerk im Kirchenkreis Oberhausen
► Friedensakademie Rheinland-Pfalz – Akademie für Krisenprävention und Zivile Konfliktbearbeitung
► Friedensdorf Bildungswerk
► Friedensinstitut der Evangelischen Hochschule Freiburg
► Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg
► Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bremen
► KURVE Wustrow - Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e. V.
► Ohne Rüstung Leben e. V.
► pax christi – Deutsche Sektion e. V.
► pax christi Diözesanverband Speyer
► Peace Brigades International (PBI) – Deutscher Zweig e. V.
► Peace for Future Pro Peace – Forum Ziviler Friedensdienst e. V.
► Referat Friedensbildung im Ökumenewerk der Nordkirche
► Stiftung die schwelle
► Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
Erstunterzeichnende (Stand: 01.06.2026)
► Dr. Stefania Animento, Soziologin
► Bayan Anouz, Erziehungswissenschaftlerin
► Hagen Battran, Oberstudienrat a.D.
► Corinna Blume, Konrektorin
► Wolf Branscheid, Lehrer
► Susanne Buckley-Zistel, Professorin für Friedens- und Konfliktforschung
► Ali Can, Sozialaktivist und Autor
► Ralph Caspers, Fernsehmoderator und Autor
► Kai-Uwe Dosch, Koordinierungskreis des bundesweiten Netzwerks Friedensbildung
► Karim Fereidooni, Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung
► Norbert Frieters-Reermann, Professor für Soziale Arbeit im Kontext von Nachhaltigkeit und sozial-ökologischer Transformation
► Andreas Hasenclever, Professor für Friedensforschung und Internationale Politik
► Shai Hoffmann, Geschäftsführer Gesellschaft im Wandel gGmbH
► Tobias Ide, Professor für Friedens- und Konfliktforschung
► Uli Jäger, Honorarprofessor für Friedenspädagogik und Globales Lernen
► Heike Kammer, Menschenrechtspreisträgerin Weimar 1999
► Zeynep Karaosman, Mitgründerin der Palestinians and Jews for Peace
► Dr. Margot Käßmann, Theologin
► Susanne Kranen, Sozialpädagogin
► Dr. Dominique Miething, Dozent
► Fulgencio Morente Gómez, alias Der Fug, freischaffender Künstler
► Silke Müller, Bestsellerautorin, Bildungsexpertin und erste Digitalbotschafterin Niedersachsens
► Silke-Henrike Otto, Lehrerin
► Annemarie Raab, Schulleiterin a.D.
► Wübke Sanders, Lehrerin a.D.
► Nicolas Schmelzer, Lehrer, alias „Herr Schmelzer“ in Sozialen Medien
► Gina Waibel, Bildungsinfluencerin, Autorin und Lehrerin a.D.
► Renate Wanie, Bildungsreferentin
► Willi Weitzel, Reporter, Moderator, Autor und Welterforscher (Willi will‘s wissen)
► Christoph Weller, Professor für Friedens- und Konfliktforschung
Mitmachen
Organisationen, die die Forderungen unterstützen möchten, sind herzlich eingeladen sich dem Bündnis anzuschließen. Einzelpersonen können die Petition online unterzeichnen. Die Unterschriftensammlung läuft bis zum 15. Oktober 2026. Für Organisationen: Unterstützung der Petition erklären Für Einzelpersonen: Jetzt unterzeichnen
Kontakt
Pro Peace
Christoph Bongard, Leiter Kommunikation & Politik
E-Mail: christoph.bongard@propeace.de
Christine Lieser, Referentin für Friedensbildung
E-Mail: christine.lieser@propeace.de
Hannah Sanders, Referentin für Medien und politische Kommunikation
E-Mail: hannah.sanders@propeace.de