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Kenia: Von der Krisenbewältigung zur kollektiven Fürsorge - Ein neues Konzept für den Schutz von Menschenrechtler:innen

27.05.2026 – In der Menschenrechtsarbeit wird oft das Ideal der unermüdlichen Aktivist:innen hochgehalten. Das würdigt zwar das Engagement, kann aber auch einen unausgesprochenen Druck auf die Menschenrechtsverteidiger:innen ausüben, unbesiegbar zu wirken. Stress kann dabei als Hingabe erscheinen, und Traumata können sich wie ein unvermeidbarer Teil der Arbeit anfühlen.

Diese Kultur ist nicht nachhaltig. Wie eine aktuelle interne Literaturrecherche von PBI Kenia zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger:innen in Kenia zeigt, wird sie zudem systematisch von einem System vorangetrieben, das im „Krisenmanagement“-Modus feststeckt. Schutzmechanismen sind reaktiv; sie greifen erst nach einer Festnahme, einer Drohung oder einer Zwangsräumung. Psychosoziale Unterstützung, sofern sie überhaupt vorhanden ist, besteht oft darin, dass ein:e Traumatherapeut:in hinzugezogen wird, nachdem der Schaden bereits entstanden ist. Dieser Ansatz scheitert grundlegend, da er das Wohlergehen der Menschenrechtsverteidiger:innen als ein Problem betrachtet, das behoben werden muss, anstatt es als eine Fähigkeit zu sehen, die kontinuierlich gefördert werden sollte.

Die Fachliteratur ist eindeutig: Eine „Best-Practice“-Maßnahme muss proaktiv und ganzheitlich sein und die psychische Belastbarkeit in den Alltag unserer Organisationen integrieren. Der Fokus muss sich von der Frage „Wie können wir euch nach einer Krise wieder auf die Beine bringen?“ hin zu „Wie können wir euch und eure Gemeinschaft so stärken, dass ihr den chronischen Belastungen dieser Arbeit standhalten könnt?“ verlagern.

Ein notwendiger Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass chronischer Stress und Traumata in diesem Bereich ebenso häufige Risiken sind wie rechtliche und physische Bedrohungen. Wir müssen Umgebungen schaffen, in denen Führungskräfte und Teammitglieder offen darüber sprechen können, dass sie Ruhe oder Unterstützung brauchen. Rückmeldungen von Menschen, die sich für Menschenrechte einsetzen, bestätigen den starken Wunsch nach diesem kulturellen Wandel, damit das Thema Wohlbefinden zu einem normalen Bestandteil der Gespräche wird.

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Wir müssen das Konzept der Fürsorge zudem über die individuelle „Selbstfürsorge“ hinaus erweitern. Für viele Menschen, die sich in Kenia für Menschenrechte einsetzen, liegt die Quelle der Resilienz in der Gemeinschaft. Sicherheitsmaßnahmen wie Umsiedlungen können eine Person mitunter von ihren lebenswichtigen Unterstützungsnetzwerken abschneiden. Echter Schutz stärkt diese Verbindungen durch Selbsthilfegruppen, die Einbeziehung von Familien in die Sicherheitsplanung und die Achtung kulturell bedeutsamer Formen des gemeinsamen Ausruhens.

Schließlich erfordert die Aufrechterhaltung einer Kultur der Fürsorge, dass wir über provisorische Bemühungen hinausgehen und zu einer strukturierten institutionellen Praxis gelangen. Das bedeutet, das Wohlbefinden formell in die Organisationsplanung zu integrieren – zum Beispiel durch die Zuweisung von Ressourcen für regelmäßige Ruhephasen und die Etablierung psychosozialer Check-ins als ebenso selbstverständlicher Bestandteil wie Sicherheitsüberprüfungen. Entscheidend ist, dass diese Praktiken von den Verteidiger:innen selbst gestaltet werden, insbesondere von jenen an marginalisierten Fronten, um sicherzustellen, dass die Unterstützung relevant ist und auf gelebter Erfahrung basiert. Ein solcher Wandel ist nicht nur mitfühlend, sondern strategisch und trägt langfristig zum Aufbau einer widerstandsfähigeren, nachhaltigeren und effektiveren Bewegung bei.

Die Stärke der Land- und Umweltverteidiger:innen angesichts von Verlust und Ungerechtigkeit ist zutiefst kollektiv. Die Rolle der Verbündeten geht über die rechtliche Interessenvertretung hinaus und besteht darin, diese gemeinschaftliche Resilienz durch praktische, strukturierte Unterstützung zu stärken. Unser Ziel sollte es sein, Organisationen aufzubauen, die nicht nur Gerechtigkeit anstreben, sondern auch das Wohlergehen derer sichern, die sich dafür einsetzen.

Text: PBI Kenya

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