Der Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen und damit indirekt auch der Menschenrechte als solche, stehen im Zentrum der Arbeit von pbi. Menschenrechte spielen eine große Rolle in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen und ihre Einhaltung ist für pbi ein wichtiger Bestandteil des friedlichen Zusammenlebens. Deshalb ist es ein Anliegen des Bildungsprojekts die Bedeutung von Menschenrechten in Deutschland und in der ganzen Welt für alle Altersgruppen erlebbar zu machen.
 

Workshop: Universelle Rechte – Die unterschiedlichen Wurzeln und Ansätze, die Würde des Menschen zu schützen (ab 12 Jahren)

Universelle Werte und Normen haben sich in der Geschichte in verschiedenen kulturellen Räumen und Epochen entwickelt und gegenseitig befruchtet. Dabei gab es bis zur „allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ von 1948 nicht nur Fortschritte. Die Entwicklung und Umsetzung der Menschenrechte hat sich als schwieriger und umkämpfter Prozess herausgestellt. Heute wie auch in Zukunft braucht es Verantwortung und Einsatz jedes Einzelnen, um die mit den Menschenrechten verbundenen Werte und Vorstellungen zu verteidigen. Hier setzt der Workshop an, indem er den Teilnehmenden auf interaktive und partizipative Weise ein kritisches Verständnis der Inhalte zu der Thematik vermittelt und zum eigenen Handeln motiviert.
 

Projekttag: „Ein Menschenrecht auf Asyl – Flucht nach Europa“ (ab 12 Jahren)

Immer mehr Menschen sind weltweit auf der Flucht und bitten in anderen Ländern um Schutz. Die Gründe sind vielfältig, doch die Möglichkeiten der einzelnen Menschen unterscheiden sich stark voneinander. Wohin gehen Flüchtlinge und wie ergeht es ihnen auf dem Weg? Und was passiert, wenn sie angekommen sind? Haben sie ihr Ziel erreicht? Die Teilnehmer_innen gehen im Rahmen des Projekttages die Wege einer Flucht und erleben, wie es Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa ergeht. Das Menschenrecht Asyl zu beantragen hat jeder, aber wie sieht die Realität der gelebten Menschenrechte aus?
 

Workshop: Transphobie und Flucht (ab 14 Jahren)

In vielen Regionen der Welt sind LGBT*IQ Personen gezwungen aus ihren Heimatländern zu fliehen, um sich und ihre Würde zu schützen. Sie fliehen aus gesellschaftlichen Kontexten, die von Heteronormativität, Trans- und Homophobie geprägt sind. In diesem Workshop lernen wir insbesondere die Situation von LGBT*IQ Menschenrechtsverteidiger_innen aus Lateinamerika kennen. Gemeinsam mit den Jugendlichen wollen wir über die Diversität von Geschlecht, Gender und Sexualität sprechen und uns gemeinsam über Privilegien und Ausgrenzungsmechanismen bewusst werden. Um das Thema den Jugendlichen näher zu bringen, wird die Situation von Trans*Personen in den Fokus gerückt. Im Workshop wird deshalb auch eine Trans*Aktivistin und Menschenrechtsverteidigerin aus Honduras von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Sie spricht mit den Jugendlichen sowohl über Würdeverletzungen im eigenen Land, als auch im ihr asylgebendem Deutschland. Ziel des Workshops ist die Sensibilisierung für einen Blick auf Menschenrechte mit Gender-Fokus und den internationalen Schutz für vulnerable Gruppen.
 

Workshop/Projekttag: „Wirtschaftsinteressen und Menschenrechte. Transnationale Unternehmen und Konflikte um Naturressourcen“ (14 bis 18 Jahre)

Ob illegale Waffenlieferungen durch deutsche Unternehmen in Konfliktgebiete, Großbrände in Textilfabriken in Bangladesch oder der Mord eines kolumbianischen Gewerkschafters eines Schweizer Nestlé-Tochterunternehmens – die Fälle deutscher und europäischer Unternehmen, welche maßgeblich an Menschenrechtsverletzungen im Ausland beteiligt sind, werden verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen und der Ruf nach rechtsverbindlichen Instrumenten, um Unternehmen bei grenzüberschreitenden Aktionen für Verletzungen der Umwelt-, Arbeits- und Menschenrechte zu sanktionieren, immer stärker.

Auch in den Ländern, in denen pbi Projekte unterhält, wird die Einhaltung der Menschenrechte durch wirtschaftliche Großprojekte bedroht, sei es durch Staudammprojekte, Minenerschließungen oder Windparkanlagen. Die Landbevölkerung zählt neben der Umwelt zu den großen Verlierern dieser Entwicklung – sie ist von Enteignung und Vertreibung bedroht. Oftmals ignorieren die lokalen Regierungen die Rechte der Bevölkerung, sind an der Umsetzung der Großprojekte beteiligt oder treiben diese im Zweifel auch mit Waffengewalt voran. Am konkreten Fallbeispiel werden die Ursachen der Menschenrechtsverletzungen beleuchtet und Möglichkeiten, die Interessen der Betroffenen einzubeziehen und zu schützen, diskutiert.
 

Workshop/Projekttag:  „Ölpalmenanbau und Menschenrechte“ (14 bis 18 Jahre)

Palmöl steckt in vielen unserer alltäglichen Produkte, sei es im Waschmittel auf pflanzlicher Basis, im Brotaufstrich, im Biodiesel oder in Kosmetikprodukten. Den Jugendlichen wird am Beispiel der Ölpalme aufgezeigt, inwiefern der Konsum der westlichen Länder die Menschenrechtssituation in anderen Ländern beeinflusst. Denn der Profit des globalen Palmölhandels erreicht nur wenige, den Schaden des Palmöl-Booms tragen jedoch viele. Die Landbevölkerung sieht sich mit massiven ökologischen, ökonomischen und sozialen Konsequenzen eines staatlich geförderten Ölpalmenanbaus konfrontiert. Die Schüler_innen diskutieren den Konflikt rund um die Ölpalme in Form von Rollenspielen und Gruppenarbeiten. Sie erfahren dabei, Konflikte differenzierter wahrzunehmen und Verantwortung für ihr eigenes Konsumverhalten zu übernehmen.
 

Workshop/Projekttag (Planspiel): La Puya – Der gewaltfreie Widerstand gegen eine Goldmine (ab 15 Jahren)

Internationale Unternehmen beuten in Lateinamerika mit der Unterstützung korrupter Regierungen das angestammte Land indigener Gemeinschaften aus. Im Mai 2014 beobachtete das Team von peace brigades international in Guatemala die Eskalation des Konflikts in LaPuya zwischen den ansässigen Bauern und den Sicherheitskräften einer transnationalen Minengesellschaft. Auf diesem Szenario aufbauend entwickelte das pbi-Bildungsprojekt ein Planspiel für Schüler_innen.

In dem Planspiel „La Puya – Der gewaltfreie Widerstand gegen eine Goldmine“ können Schüler_innen beispielhaft die Ursachen für in diesem Kontext entstehende Konflikte kennenlernen. Sie schlüpfen dabei in die Rollen der verschiedenen Beteiligten und lernen dadurch deren Eigeninteressen und Hintergründe kennen. Sie erfahren, wie lokale Menschenrechtsverteidiger_innen sich mit Unterstützung internationaler Organisationen gegen die Interessen transnationaler Unternehmen gewaltfrei zur Wehr setzen und welchen Risiken und Gefahren sie sich dabei aussetzen.
 

Rollenspiel: „Offener Gerichtssaal“ (ab 15 Jahren)

Im Rollenspiel schlüpfen die Schüler_innen in die Rolle eines zu Unrecht des Mordes angeklagten mexikanischen Bauern, eines korrupten Richters, eines gekauften Zeugen und eines internationalen Prozessbeobachters. Das Rollenspiel orientiert sich dabei an dem realen Fall von Raúl Hernández, Mitglied einer indigenen Bauernorganisation in Südmexiko, welcher ein emblematisches Beispiel für die Kriminalisierung der sozialen Proteste darstellt. Gemeinsam mit vier weiteren Angeklagten saß Raúl Hernández mehr als zwei Jahre unschuldig im Gefängnis, bevor die großen nationalen und internationalen Proteste maßgeblich zu seiner Freilassung beitrugen. Im Rahmen des Workshops lernen die Jugendlichen auf spielerische Art und Weise, inwiefern die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien eine Grundvoraussetzung für Frieden und Gerechtigkeit darstellt.